Wir Schweizer sind manchmal wirklich ein lustiges "Völkli". So streife ich heute durch den Coop an unserer Ecke und finde mich mit einem halb vollen Körbli am Ende einer endlosen Schlange vor Kasse 1 wieder (unser Coop besetzt seine Kassen gerne spärlich - die Situation ist also nichts ungewöhliches). Geduldig reihen sich hinter mir noch weitere sieben Personen ein, schliesslich erbarmt sich die Kassierin und ruft ins Mikrofon: "Bitte Kasse 2 besetzen, Kasse 2 bitte". Die Blicke aller Wartenden richten sich auf Kasse 2. Jeder weiss, dass diese Kasse in wenigen Sekunden besetzt sein wird. Bewegen tut sich niemand. Eile? Stress? Scheint, obwohl Montag - und obwohl Zürich - nicht der Fall zu sein. Nur Augenblicke später zwängt sich die zweite Kassierin durch die Menge und ruft: "Kasse zwei ist auch frei", während sie das Kasse-geschlossen-bitte-benützen-sie-die-Kasse-nebenan-Schild entfernt und es sich auf ihrem Stuhl bequem macht. Mehrere Sekunden lang passiert immer noch nichts. Von den sieben Personen hinter mir möchte keiner der Erste an der neuen Kasse sein. Man tauscht kurz Blicke aus, voller Besorgnis, vielleicht als "Vordrängler" abgestempelt zu werden. Unsicher schaut die letzte in der Reihe zu den Personen, die eigentlich ja vor ihr da waren und erst als sich definitiv niemand in Bewegung setzt, ergreift sie die Initiative, legt ihre Einkäufe aufs Band. Weitere Fünf folgen ihr, auch der junge Typ hinter mir schaut erwägend auf die neue Schlange, merkt, dass diese nun gleich lang ist, wie die erste, lächelt dem hintersten in der neuen Reihe verständnisvoll zu und bleibt, wo er ist. Ruhe und Frieden. So macht Feierabend Spass.
Für eines der gestrigen Rezepte werde ich es mit derselben Gelassenheit und Schweizer Diplomatie versuchen, die ich heute erlebt habe. Es handelt sich um …. *Trommelwirbel* einen Dessert: Lime Pie. Der Boden des Pies besteht aus zerkrümelten Keksen, Butter und Zucker, die Füllung aus Eigelb, Limettensaft und Kondensmilch.
Annemarie. Es liegt nicht an dir. Es liegt an mir. Es waren wahrscheinlich die falschen Kekse, zu wenig Butter, oder der Backofen wird heisser, als angegeben. Es wäre auch möglich, dass das Universum beschlossen hat, in sämtliche meiner Dessertpläne einzugreifen und mir damit nun etwas zu sagen versucht. (Du sollst dich gesünder ernähren? Finger weg vom Zucker? Oder gar … du wirst langsam DICK? (Jetzt hatte ich mir doch vorgenommen, ruhig zu bleiben…)) Geschmacklich war der Lime-Pie ja auch gar nicht schlecht! Und im Gegensatz zum Orangen-Pie verlief die Sauce nicht auf dem Teller. Die krümelige Masse des Bodens hielt einfach nicht ganz zusammen, was dazu führte, dass Teller, Kuchenform und Tisch ein ganz kleines bisschen nach einem Keksekrieg aussahen… Unser Ehrengast und fleissigster aller Leser versuchte ebenfalls, das Positive zu sehen und lobte, wie gut die Füllung geschmacklich zum Krümelrest passe. Danke dafür.
Ich möchte mich wiederholen. Es liegt an mir. Und Annemarie - es tut mir wirklich Leid.
ABER und jetzt kommt ein Aber, das hoffentlich alles wieder gut machen kann - das zweite Rezept von gestern Abend ist ohne Zweifel und Zurückhaltung sehr zu empfehlen: Marinierte Pouletschnitzel mit Zitronenbutter. Man hört es schon, dass bei diesem Rezept weder ich - noch das Universum - etwas falsch machen kann. Die in Öl, Chili und Zitronensaft marinierten Poulets schmecken zusammen mit der Zitronenbutter herrlich frisch und inspirierend. Ein Rezept, das wir gerne wieder kochen - und essen werden!
In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine entspannte - und friedliche - Zeit.
289 to go.
Ein Projekt, inspiriert vom Kochbuch "Annemarie Wildeisen - Mein Küchenjahr"
Montag, 17. März 2014
Sonntag, 16. März 2014
Tag 73- Gemüseküchlein mit Curry-Sauerrahm-Sauce oder Arbeitsteilung
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vom Gemüse raffeln nicht wahnsinnig viel mitbekommen habe, da ich gestern für den Dessert -Vanille Cupcakes mit Schokoladen Buttercreme - zuständig war. So raffelte N. von Hand Zucchetti, Rüebli und Peperoni, während ich mit Zucker, Mehl und Butter hantierte. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich auch mit der Curry-Sauerrahm-Sauce nicht gerade viel zu tun gehabt, denn während N. die verschiedenen Zutaten (ich weiss nicht einmal genau welche) vermischte, stellte ich aus Butter, Puderzucker und Kakaopulver eine Buttercreme her. Aber ganz ohne meine Hilfe wurden die Gemüseküchlein nicht zubereitet: ich hackte die Frühlingszwiebeln (mit meinem Zweibelschmerzgesicht) und den Schnittlauch und ich war es auch, die den Teig in der Bratpfanne zu Küchlein anbraten liess, da N. schon damit beschäftigt war, unsere Gäste zu bewirten. Das Endprodukt schmeckte uns allen dann auch wirklich sehr gut. Die einfachen Küchlein erinnerten den einen an Kindheit, den andern an Mutters Küche. Die frische Curry-Sauce passte auch gut zu den Pouletflügeln, die wir freiwillig noch dazu machten.
So hatten wir einen gemütlichen Samstag Abend. Und dank Arbeitsteilung hatten wir auch noch einen wundervollen Dessert.
Donnerstag, 13. März 2014
Tag 71 - Überraschende Gurken
Ich mag keine Gurken. Damit meine ich nicht, dass mir vom Geschmack übel wird, dass ich es fast nicht über mich bringe, Gurken zu essen, oder dass ich eher verhungern würde, als dieses Gemüse zu verspeisen. Aber ich mag keine Gurken. Ich finde, (und diesen Vortrag habe ich in meinem ganzen Leben schon mindestens 30 mal gehalten, ohne jemals verstanden zu werden) dass Gurken einerseits wässrig und fast nach nichts schmecken, andererseits diesen Gurken-Nichts-Geschmack aber so penetrant verbreiten, dass die ganze Salatsauce und somit der ganze Salat nach Gurken schmeckt. Andere, bessere Zubereitungsarten sind (oder waren - aber dazu komme ich gleich) mir nicht bekannt. In jugendlichem Leichtsinn hat meine ehemalige Mitbewohnerin vor ein paar Jahren eine Gurke gebraten - auch kein sehr empfehlenswertes Unterfangen.
Wo war ich? Ach ja. Ich mag keine Gurken. Also war ich voller Skepsis für die heutige Vorspeise: Rauchlachs auf Kartoffel-Gurken-Tatar. Die gekochten Kartoffeln werden mit der Gurke, Crème Fraîche, Senf und Dill zu einer Tatarmasse, welche mit Rauchlachs garniert wird. Klingt eigentlich alles herrlich, oder? Bis auf die Gurke.
Nun, es war wie schon so oft: Ich wurde positiv überrascht. Das Gericht schmeckte nämlich ausgezeichnet und war auch optisch ein Hingucker. Ein bisschen enttäuschen muss ich euch nun leider doch. Wie gerne würde ich schreiben: Es schmeckte gerade wegen der Gurke so herrlich! - Nun, so war es eher nicht. Es schmeckte nämlich trotz der Gurke herrlich! (Vielleicht verbreiten sich die Gurkenextrakte in der eher festen Crème Fraîche-Masse einfach schlechter als in der flüssigen Salatsauce?)
Auch der Hauptgang konnte mit unserer Vorspeise mühelos mithalten: Würziger Reis mit Lamm und Feta. Tomaten, Pinienkerne, Minze und Kreuzkümmel entführten uns für kurze Zeit in den nahen Osten - ein richtig feines Rezept, das einfach und unkompliziert zuzubereiten ist.
Wir verbuchen den heutigen Abend also als vollen Erfolg. (Und falls irgendjemand - da draussen - meine Meinung über Gurken versteht - und teilt - beendet meine Einsamkeit und meldet euch!)
292 to go.
Wo war ich? Ach ja. Ich mag keine Gurken. Also war ich voller Skepsis für die heutige Vorspeise: Rauchlachs auf Kartoffel-Gurken-Tatar. Die gekochten Kartoffeln werden mit der Gurke, Crème Fraîche, Senf und Dill zu einer Tatarmasse, welche mit Rauchlachs garniert wird. Klingt eigentlich alles herrlich, oder? Bis auf die Gurke.
Nun, es war wie schon so oft: Ich wurde positiv überrascht. Das Gericht schmeckte nämlich ausgezeichnet und war auch optisch ein Hingucker. Ein bisschen enttäuschen muss ich euch nun leider doch. Wie gerne würde ich schreiben: Es schmeckte gerade wegen der Gurke so herrlich! - Nun, so war es eher nicht. Es schmeckte nämlich trotz der Gurke herrlich! (Vielleicht verbreiten sich die Gurkenextrakte in der eher festen Crème Fraîche-Masse einfach schlechter als in der flüssigen Salatsauce?)
Auch der Hauptgang konnte mit unserer Vorspeise mühelos mithalten: Würziger Reis mit Lamm und Feta. Tomaten, Pinienkerne, Minze und Kreuzkümmel entführten uns für kurze Zeit in den nahen Osten - ein richtig feines Rezept, das einfach und unkompliziert zuzubereiten ist.
Wir verbuchen den heutigen Abend also als vollen Erfolg. (Und falls irgendjemand - da draussen - meine Meinung über Gurken versteht - und teilt - beendet meine Einsamkeit und meldet euch!)
292 to go.
N.
Mittwoch, 12. März 2014
Tag 70 - Ach du dickes Ei!
Wiedereinsteigen ist gar nicht so leicht!!! Nach einigen Tagen ohne Blog schreiben (wegen neuem Job und weil N. so lieb war, meine Einträge zu übernehmen), fällt es beinahe schwer, wieder einmal dran zu sein. Doch ich versuche langsam wieder ins rollen zu kommen - und zwar mit der Bärlauchroulade von Montag (Wortwitz): Obwohl wir den Bärlauchnachgeschmack weder aus unserer Wohnung, noch aus unseren Mündern wieder rausbekommen konnten, schmeckte es wirklich sehr gut. Der selbst gemachte Quarkteig war leicht und passte wunderbar zur Bärlauchmasse.
Gestern standen dann die Käse-Hamburger auf dem Speiseplan. Und auch hier: unsere Küche erhielt nun zum Bärlauchgeruch auch noch einen Käsegeruch.
Und nun zum heutigen Rezept. Die Käse-Suppe mit Schnittlauch-Crostini an sich war gar nicht so schlecht. Aber (und dieses "aber" könnte ich auch gross schreiben) ABER auf dem Schnittlauch-Crostini fuhr ein rohes Eigelb über unsere Suppe! Ich wusste nicht einmal, dass das erlaubt ist - ein rohes Eigelb zu essen!!! Geschweige denn, dass es gar nicht einfach ist, ein Eigelb bei der Eiertrennung heil zu lassen…es dann zu essen, ist ebenso schwer. Ich wage kaum mehr daran zu denken, wie meine Zähne versuchen in das kalte, glitschige Eigelb zu beissen. N. hatte das Glück, dass mein erster Versuch, das Eigelb ganz auf das Crostini zu verfrachten, in die Hose ging. Denn mein Eigelb hingegen war noch ganz und in ein ganzes rohes Eigelb zu beissen ist das taktile Pendant zu den Fingernägeln auf der Wandtafel. Brrrrr…..Ich fühl mich ekelfaktormässig für die Hühnerleber gewappnet!
294 to go.
A.
Montag, 10. März 2014
Tag 67 und 68 - 4 auf einen Streich!
Nach dem die letzte Woche eher gemütlich verlief und unsere Küche nicht so oft genutzt wurde, schwingen wir nun wieder um so mehr den Kochlöffel. In den letzten beiden Tagen, zum Beispiel, meisterten wir ganze 4 Rezepte.
Ausserdem haben wir einen Salontisch von der Micasa in Spreitenbach mit den öffentlichen Verkehrsmittel nach Zürich in unsere Wohnung transportiert und trotz einigen wirklich stümperhaften Fehlüberlegungen der Entwickler erfolgreich aufgestellt. (Nein, unser Salontisch soll in diesem Post nicht - wie ich es sonst zugegebenermassen oft tue - als Metapher für kluge Weltanschauungen dienen, ich möchte ihn hier einfach erwähnt haben, weil er mich heute so viel Geduld gekostet hat.)
Nun aber zu unseren Gerichten:
3. März
Schweinskoteletts mit Pilzen, Speck und Schinken
Schmeckt: Zum Glück nicht nach Pilzen, sondern nach herrlich gebratenem Speck und Rohschinken auf einem knusprigen Kotelett
Zeitaufwand: Angemessen. Lässt sich gut nach Feierabend kochen.
Fazit: Nur etwas für Fleischliebhaber. Ein Kotelett mit gebratenem Speck zu überhäufen ist - vielleicht - etwas dekadent?
8. März
Karottencurry mit Linsen
Schmeckt: Etwas süsslich, etwas zu sehr nach Karotten und Petersilie (und Rosinen, meiner Meinung nach), etwas zu wenig nach Linsen, Curry und Pinienkernen.
Zeitaufwand: Nicht gross. Die meiste Zeit kocht das Gericht selbständig vor sich hin.
Fazit: Nicht schlecht. Schmeckt übrigens mindestens genau so gut kalt am nächsten Tag. So könnte man es sich im Sommer gut an einem Grillanlass vorstellen.
9. März
Marinierte Lachsforelle mit Dillsauce
Schmeckt: Wunderbar! Die selbst gemachte Marinade, in die man den Fisch 24 Stunden einlegt, lohnt sich auf alle Fälle. Zusammen mit der Dillsauce, der Kresse, dem Ei und getoastetem Brot ergibt sich ein leichtes Gericht, das sich perfekt für ein kleines Mittagessen eignet.
Zeitaufwand: Etwas grösser. Der Fisch muss am Vortag mariniert und dann in dünnen Streifen von der Haut geschnitten werden.
Fazit: Annemarie schreibt: "Die Fischfilets schräg in sehr dünnen Scheiben von der Haut schneiden" - lässt euch nicht täuschen - so einfach wie es klingt, ist es bei weitem nicht. Meine "dünnen Scheiben" ähnelten eher einem "abgechaffelten" Fischbrei, was das Gericht nicht weniger lecker, aber um einiges weniger präsentabel machte.
10. März
Bärlauchrouladen
Unsere Rouladen, bei welchen der Teig und die Füllung selbst gemacht sind, kommen gerade in dieser Minute frisch aus dem Ofen. Sie werden jetzt mit einer Folge Glee auf unserem nagelneuen Salontisch verspeist - morgen erfährt ihr, wie sie schmecken!
296 to go.
Und back on track.
Danke für's Lesen.
Ausserdem haben wir einen Salontisch von der Micasa in Spreitenbach mit den öffentlichen Verkehrsmittel nach Zürich in unsere Wohnung transportiert und trotz einigen wirklich stümperhaften Fehlüberlegungen der Entwickler erfolgreich aufgestellt. (Nein, unser Salontisch soll in diesem Post nicht - wie ich es sonst zugegebenermassen oft tue - als Metapher für kluge Weltanschauungen dienen, ich möchte ihn hier einfach erwähnt haben, weil er mich heute so viel Geduld gekostet hat.)
Nun aber zu unseren Gerichten:
3. März
Schweinskoteletts mit Pilzen, Speck und Schinken
Schmeckt: Zum Glück nicht nach Pilzen, sondern nach herrlich gebratenem Speck und Rohschinken auf einem knusprigen Kotelett
Zeitaufwand: Angemessen. Lässt sich gut nach Feierabend kochen.
Fazit: Nur etwas für Fleischliebhaber. Ein Kotelett mit gebratenem Speck zu überhäufen ist - vielleicht - etwas dekadent?
8. März
Karottencurry mit Linsen
Schmeckt: Etwas süsslich, etwas zu sehr nach Karotten und Petersilie (und Rosinen, meiner Meinung nach), etwas zu wenig nach Linsen, Curry und Pinienkernen.
Zeitaufwand: Nicht gross. Die meiste Zeit kocht das Gericht selbständig vor sich hin.
Fazit: Nicht schlecht. Schmeckt übrigens mindestens genau so gut kalt am nächsten Tag. So könnte man es sich im Sommer gut an einem Grillanlass vorstellen.
9. März
Marinierte Lachsforelle mit Dillsauce
Schmeckt: Wunderbar! Die selbst gemachte Marinade, in die man den Fisch 24 Stunden einlegt, lohnt sich auf alle Fälle. Zusammen mit der Dillsauce, der Kresse, dem Ei und getoastetem Brot ergibt sich ein leichtes Gericht, das sich perfekt für ein kleines Mittagessen eignet.
Zeitaufwand: Etwas grösser. Der Fisch muss am Vortag mariniert und dann in dünnen Streifen von der Haut geschnitten werden.
Fazit: Annemarie schreibt: "Die Fischfilets schräg in sehr dünnen Scheiben von der Haut schneiden" - lässt euch nicht täuschen - so einfach wie es klingt, ist es bei weitem nicht. Meine "dünnen Scheiben" ähnelten eher einem "abgechaffelten" Fischbrei, was das Gericht nicht weniger lecker, aber um einiges weniger präsentabel machte.
10. März
Bärlauchrouladen
Unsere Rouladen, bei welchen der Teig und die Füllung selbst gemacht sind, kommen gerade in dieser Minute frisch aus dem Ofen. Sie werden jetzt mit einer Folge Glee auf unserem nagelneuen Salontisch verspeist - morgen erfährt ihr, wie sie schmecken!
296 to go.
Und back on track.
Danke für's Lesen.
N.
Sonntag, 9. März 2014
Tag 66 - Sonnige Tage
Es gibt Tage, an denen die ganze Welt in Ordnung ist. Tage, an denen der Himmel blau und die Luft warm ist, an denen alles nach Frische, Frühling und Erwachen riecht, Tage, die man gemütlich mit den Menschen verbringt, die man liebt. Die Natur erwacht und nichts ist einfacher, als sich von dieser Leichtigkeit mittragen zu lassen. Nichts ist eifacher, als glücklich zu sein.
Und nie fällt es so leicht, die Rezepte vergangener Tage aufzuholen, wie wenn hungrige und entspannte Menschen am Tisch sitzen, es geniessen, bekocht zu werden und anschliessend das Essen loben.
Die Minestrone Gärtnerinnenart - eine simple Gemüsesuppe mit kleinen Teigwaren, etwas Bündnerfleisch und roten Linsen - und das geschnetzelte Kalbfleisch an Zitronensauce waren also der perfekte Abschluss eines zufriedenen und gemütlichen Samstages.
Und das Leben kommt uns gar nicht hart vor.
300 to go.
N.
Donnerstag, 6. März 2014
Tag 64 - Pathetische Sentimentalität
Es kommt uns vor, als wäre es eine Ewigkeit her, seit wir zum letzten Mal in der Küche gestanden und gekocht hätten. Am Dienstag haben wir uns spontan dazu entschieden, auswärts essen zu gehen und gestern waren wir bei meinem Nani. Darum hinken wir unserem Plan hinterher. Ein Rezept haben wir sogar ausgelassen und so wie es aussieht, müssen wir am Sonntag vier ganze Rezepte zubereiten. So wie es uns in der Küche geht, so geht es mir im Moment die ganze Zeit. Immer hinke ich hinterher. Immer sollte ich noch etwas tun. Mein Kopf ist überfüllt und wenn ich abends die Augen schliesse, denke ich an alles, was ich noch tun muss. Jetzt, da die Uni wieder angefangen hat, ich Texte lesen sollte und meine Motivation eigentlich riesig ist und ich alles aufsaugen möchte und es sich so anfühlt, als hätte ich einfach zu wenig Energie, zu wenig Zeit und zu wenig Selbstdisziplin für alles, was ich tun möchte und erreichen will, jetzt ist es wirklich gut, dieses Projekt zu haben, an dem wir festhalten können und das wir auch wirklich durchhalten. Auch wenn wir hinterher hinken. Während ich hier den Blog schreibe, höre ich "Bugs" von Patrick James - mein absolutes Lieblingslied zur Zeit und liege auf unserem weichen Schaffell. Und leise überkommt mich das Gefühl, dass die Welt doch schön ist. Und dass alles gut wird. Da muss ich an das schöne Zitat von Rosa Luxemburg denken:
»Liebste, wenn man die üble Gewohnheit hat, in jeder Blüte nach einem Tröpflein Gift zu suchen, so findet man, solange man lebt, eine Ursache zum Stöhnen. Nimm aber die Dinge umgekehrt und suche nach Honig in jeder Blüte, so findest Du stets Ursache, um heiter zu sein. Ausserdem glaube mir, die Zeit, die ich - wie auch andere - jetzt hinter Schloss und Riegel verbringe, ist auch nicht verloren. Sie kommt irgendwie in der grossen allgemeinen Rechnung zur Geltung. Ich bin der Meinung, dass man einfach, ohne zu viel Schlauheit und Kopfzerbrechen, so leben soll, wie man es für recht hält, ohne für alles gleich in bar in die Hand ausgezahlt kriegen zu wollen. Es wird sich schon alles zum Schluss finden.»
Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich auch in den zwei Rezepten von heute Honig finden: Die Pouletschenkel, aus dem Rezept Pouletschenkel mit Randen-Gurken-Salat, waren sehr lecker (Den Randen-Gurken-Salat wollen wir nicht genauer besprechen). Auch wenn wir und unsere Gäste (meine liebe Mama, meine Schwester und ihr Freund waren bei uns -wir lieben es, für euch zu kochen) alle der Meinung waren, dass dieses Gericht nichts Wahnsinniges war, wurden wir dann doch noch überrascht und zwar vom Gemischten Bohnensalat mit warmem Ziegenfrischkäse, unserem zweiten Rezept. So schliesse ich heute meine tiefsinnigen Betrachtungen und freue mich, auf weitere Rezepte. Und auf die Inspiration und Motivation, die das Kochen mit N. und unser Projekt mir gibt.
302 to go. A.
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