Montag, 31. März 2014

Tag 88 - Gähn!

Wer hat uns vermisst die letzte Woche? 

Aber hier sind wir wieder. Gestern haben wir zwei Rezepte gekocht und sind daher nur noch zwei im Rückstand. 

Ich liege auf dem Sofa und bin träge. Meine ganze Energie habe ich für Arbeiten und Uni verbraucht und jetzt mag ich nichts mehr tun - nicht einmal mehr in die Vorlesung gehen. Dabei fühle ich mich ganz lasch und das passt mir gar nicht. Doch im Moment kann nicht mal das schöne Wetter und die Sonne gegen die Müdigkeit ankämpfen. Und die Zeitverschiebung hat mir den Rest gegeben. So liege ich hier und kann nicht einmal einen gelungenen Post über das gestrige Essen verfassen. Denn mein Hirn ist bleischwer und müde. Ich würde ja gern etwas für die Uni tun oder ein schlaues Buch lesen, aber für mehr als für Hay Day auf dem iPad spielen oder ein seichtes Buch wie Seriously… I'm Kidding von Ellen DeGeneres reicht es einfach nicht. Darum die kurze Zusammenfassung des gestrigen Essens (Das Kochbuch liegt leider unerreichbar in der Küche, darum weiss ich gar nicht, wie die Rezepte genau heissen…d.h. ich muss mich vom Sofa erheben und nachsehen):

Gestern gab es Kalbs-Tagliata mit gebratenen Spargeln und »Flüssige« Schokoladenküchlein in der Tasse (Ja, ich habe mich erhoben). Bei ersterem handelte es sich um sehr dünne Scheiben vom Kalbsteak, das bei 80° für lange laaange Zeit im Ofen war. Beinahe hätten wir das Kalbs-Tagliata ohne Spargeln essen müssen, denn wir vertreten eine Strenge Anti-Mexiko-Spargel-Meinung. Im Coop haben wir dann welche aus Spanien gefunden, gerade noch vertretbar und sie waren sogar noch Bio. So gab es doch noch Spargeln dazu. Und es schmeckte auch ganz hervorragend. Die saure Vinaigrette passte perfekt zu den Spargeln und das Fleisch war ein himmlischer Genuss. 
Das Schokoldanküchlein hat es bei uns natürlich etwas schwer, denn wir besitzen ein Schokoladensoufflé-Rezept, das einerseits einfach und andererseits einfach perfekt ist. Doch auch Annemaries Küchlein konnte punkten. Es schmeckte sehr gut und war auch sehr luftig. Aber an unsere Schokoladensoufflés kommt es weder geschmacklich noch die einfache Zubereitung betreffend heran. 

Alles in Allem ein guter und gelungener Tag. 

278 to go. A.



Dienstag, 25. März 2014

Tag 83 - Von Menschen und Muscheln

Auf Wunsch meines Vaters soll sich der heutige Post mal nicht ausschliesslich um's Essen drehen - es soll auch ein Auto darin vorkommen.

Chrm Chrm. Jetzt kommt's. Um es vorweg zu nehmen: ich verstehe absolut nichts von Autos. Während dreienhalb Jahren mühte ich mich mit Fahrpraxis ab, um dann (aber nur dank kulturellen Gemeinsamkeiten mit dem Prüfer) endlich meinen Fahrausweis in den Händen zu halten. Ich wohne mitten in der Stadt, besitze ein GA, fahre höchstens mit dem Auto meiner Schwester oder meiner Eltern und von diesen Autos ist das einzige, das ich mit Sicherheit sagen kann: Sie sind beide weiss.

Wenn ich jetzt ein Auto kaufen müsste, würde ich einen Mini kaufen. Am liebsten in hellblau. Obwohl offenbar bei diesem Auto das Preis-Leistungsverhältnis nicht stimmt. Weil es viel zu teuer ist. Und man für die Marke bezahlt. Aber genau darum eben würde ich doch einen Mini wollen. Weil er so süss aussieht. Und es cool ist, einen zu besitzen. Weil er zu meiner Jeans und meinem Lederrucksack passen würde. Und zu meiner Haarfarbe.

Was ich damit sagen will, ist folgendes: Wir alle kennen die Situation, nicht nach Qualität oder Funktionalität eines Produkts zu fragen, sondern uns von der Mode, der allgemeinen Meinung, von dem, was uns von der Gesellschaft als toll verkauft wird, leiten zu lassen. Es funktioniert fast immer. Eigentlich kann man uns fast alles andrehen. Am Ende glauben wir sogar noch, man könne Leggins tatsächlich wie gewöhnliche Hosen tragen.

Nur kulinarisch hat diese Beeinflussung bei mir nie angeschlagen. Spinat fand ich toll, auch wenn die Meinung war, dass Kinder dieses Gemüse eigentlich angeekelt vom Teller schubsen müssten. Dafür hatte ich eine Abneigung gegen Zuckerwatte und Marshmallows. (Das klingt jetzt - obwohl wahr, ironischerweise so, als hätte ich mich als Kind gerne gesund ernährt - nun, das ist definitiv nicht wahr.) Wie auch immer.

Auch heute weiss ich nicht, was die Menschen an Kaviar finden, an teurem Champagner, an wahnsinnig wertvollen Pilzen oder an überaus kostspieligem Wein … oder eben an Jakobsmuscheln. Ja, ich bin über meinen Schatten gesprungen, ja, ich habe Jakobsmuschelspiesse gegessen. Und nein, es hat mich nicht umgebracht - aber es war weder besonders schmackhaft (für einen leichten Beigeschmack nach Meer kann ich auch in eine Alge beissen) noch von der Konsistenz oder Optik her sehr ansprechend. 




Heute schwimme ich also gegen den Storm, lobe die einfachen Orecchiette mit Linsen-Lauch-Sauce, die an ein Mittagessen bei der Grossmutter erinnern, halten, was sie versprechen und nicht einfach nur schick daherkommen. 




Ich würde nun abschliessend gerne den Vergleich zu den Autos ziehen und eine urchige-darauf-kannst-du-dich-verlassen-Automarke nennen aber… wie anfänglich schon gesagt … leider verstehe ich davon einfach - nichts.

280 to go.
N.

Montag, 24. März 2014

Tag 82 - Rumo und Sappho

Heute sass ich im Vorlesungssaal an der Universität und habe eines meiner Lieblingsbücher gelesen, während ich auf den Beginn der Vorlesung Gedichte lesen gewartet habe: Rumo von Walter Moers. Das Buch hat einen knallroten Umschlag und sieht wie ein Vorhang aus und unten schaut Rumo zwischen den Stofffalten hervor. Rumo ist ein Wolpertinger - also ein Hund mit Hörnern, der mit seiner Nase sehen kann und schneller ist, als die meisten. Was von aussen aussieht wie ein Jugendbuch oder ein Fantasybuch ist in Wahrheit eine wundervoll liebevoll erzählte Geschichte. Meiner Meinung nach einfach grandios geschrieben, auch sprachlich richtig gut. Als dann meine Vorlesung beginnt und ich tatsächlich zehn Minuten brauche, um mich in der Vorlesung der Gastdozentin Renate Schlesier (die sogar eine Wikipediaseite hat) zurechtzufinden, da ich nichts mit dem Namen Sappho (Ausgesprochen: Sap-pfo) anfangen konnte (eine antike griechische Dichterin), komme ich mir doch ein wenig unintellektuell vor mit meinem Rumo. So lasse ich ihn unbemerkt in meiner Tasche verschwinden…
Ähnlich unpassend wie Rumo in der Vorlesung zu antiken griechischen Dichterinnen (die hocherotische Gedichte verfassten, aber natürlich nur in antikem Griechisch in wahnsinnigem Versmass, dessen Name ich schon wieder vergessen habe), war die Gurke gestern in unserem Kalbfleisch-Stroganoff mit frischen Gurken. Das Kalbfleisch sei hier mit dem erotischen Gedicht von Sappho gleichgesetzt, in wundervollen Versmassen verfasst, während die Gurke meinen Rumo darstellt, wie er da auf meinem Tisch in der Vorlesung liegt, während um ihn herum Gedichte von Sappho interpretiert werden, in einer Vorlesung, in der ich mir mehrmals vor Unwissenheit eine mentale Notiz mache, damit ich ein Wort oder Begriff später googlen kann. Ja. Jetzt würde mein Vergleich wundervoll aufgehen, wenn ich denn Gurken auch nur annähernd so gern hätte wie Rumo. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Was zum Teufel macht diese Gurke in einer köstlichen, hochstehenden Rotweinsauce, was macht diese Gurke neben teurem, edlem KALBFLEISCH??? Das war wirklich unpassend. Wie ein Elefant im Porzellanladen, wie man so schön sagt.


282 to go. A.
Ps: Ich wollte Rumo in diesem Post ganz und gar nicht weniger wundervoll machen, als was das Buch ist. Das Buch ist also keineswegs wie eine Gurke für mich… denn ich liebe dieses Buch :)

Sonntag, 23. März 2014

Tag 81 - Jemand lügt

Die kommende Woche muss genau geplant werden: Da wir zwei Mal zum Essen eingeladen sind, können wir absolut nichts dem Zufall überlassen und teilen unsere Rezepte exakt ein.

So kommt es, dass unser Sonntag Morgen mit der gefüllten Omlette mit Schinken und Käse vom 27. März beginnt. Eigentlich lieben wir jegliche Eierspeisen zum Frühstück, besonders stolz sind wir auf eine selbstkreierte Omlette mit Spinat und Käse. Heute jedoch stellte sich unserem Vorhaben eine klitzekleine Hürde. Da Annemarie in ihrem Rezept für den Omlettenteig bloss eine winzige Menge Mehl verwendet, soll man die Omlette auf einer Seite anbraten und dann (ich zitiere) "auf einen vorgewärmten Teller gleiten lassen". (Ihr ahnt, was kommt.)

Jemand lügt.

Könnt ihr euch vorstellen, wie wir unsere Pfanne vooooorsichtig kippen und sich die Omlette keinen Millimeter vom Fleck bewegt? Wie wir gelduldig mit der Kelle dem Rand entlang fahren - und sich gar nichts ändert?
Die ganze Omlette klebt an unserer Pfanne (die sehr wohl beschichtet ist) und als sie unter Fluchen und Schieben endlich auf den Teller fällt, sieht das alles andere als appetitlich aus. 

Jemand lügt.



Auch der zweite Versuch (mit mehr Butter) ist nicht von Erfolg gekrönt. Die Omlette bricht in der Mitte auseinander und erinnert mehr an einen Unfall als an Frühstück. Von Gleiten keine Spur.

Leicht aggressiv und etwas frustriert setzten wir uns anschliessend an den Tisch - und glücklicherweise schmeckt die Omlette trotz der katastrophalen Optik wirklich gut. Dann kann der Tag ja beginnen.

283 to go.
N.

Freitag, 21. März 2014

Tag 78 - Komplementärfarbige Speisen


Unser gestriges Menü besticht durch seine Farben. Der kräftig grüne Spinat-Salat an Rohschinken-Dressing (ja man staune - Rohschinken-Dressing!) schmeckte gut und erinnerte an warme Sommertage. Unser Dessert Zitronenpudding mit Himbeersauce ist von einem wundervollen Rot. Auch wenn wir eine zu kleine Form für den Pudding nahmen und ihn beinahe nicht mehr raus bekamen (spontaner Reim), schmeckte das Dessert frisch und gut. Nur etwas sehr sauer ist die Mischung von Zitrone und Himbeere. Ich könnte hier noch ausführlicher über diese beiden Gerichte berichten, von den geschmacklichen und optischen Eigenschaften, von den Höhen und Tiefen bei der Zubereitung, aber es ist Freitag Abend und eine lange Woche geht zu Ende. Heute kann ich bei meinem Nani an den Tisch sitzen und ohne zu kochen ein gutes Essen geniessen. Nur abwaschen muss ich trotzdem! Darum belasse ich es bei diesen wenigen Sätzen und lasse unsere Fotos für sich selbst sprechen. 

284 to go. A.



Mittwoch, 19. März 2014

Tag 77 - Glück im Lattichblatt

Die Leute sagen, dass Glück das einzige ist, das grösser wird, wenn man es teilt. Aus genau diesem Grund sollte man meiner Meinung nach gemeinsam kochen und - vor allem - gemeinsam essen. Ein Vorschlag: Unser heutiges Gericht - Mozzarella im Lattichblatt. 

Wenn ihr dann gemeinsam am Tisch sitzt, die Lattichröllchen aufschneidet, so dass die herrliche Mozzarella-Speck-Dörrtomaten-Füllung zum Vorschein kommt, das abgeschnittene Stück dann in die Tomaten-Rahm-Sauce taucht und so Bissen für Bissen den ganzen Teller leer esst, soll euch noch jemand sagen, dass es für das Glück halt kein Rezept gibt.



286 to go.
N.

Tag 76 - Frühlingsgrüsse

Bei diesem wunderschönen Wetter möchte man doch am liebsten schon die Balkonmöbel wieder hervorholen und Mittags in der warmen Sonne, auf den Innenhof blickend, einen Gurken-Avocado-Salat und eine Zitronen-Minz-Limonade geniessen. Aber meine zweite Erkältung im 2014 erinnert daran, dass es eben doch erst März ist und Leichtsinn in der Kleiderwahl, hervorgerufen durch die vorfrühlingshafte Vorfreude, schwer gebüsst werden muss. So hatten wir gestern Mittag zwar den Gurken-Avocado-Salat (und einen Holundersirup mit Zitrone und Pfefferminz), jedoch an unserem Küchentisch und nicht auf dem Balkon. 
(Ich lese im Moment die Novelle Die missbrauchten Liebesbriefe von Gottfried Keller und dessen Sprachstil und Wortklang greifen etwas auf mich über, darum wundere sich keine Menschenseele darüber, wie ich diesen heutigen Post verfasse)
Ich darf, so scheint mir, zum ersten Mal ein Gericht, das Gurken beinhaltet, kommentieren. Die Meinung von N. über Gurken wurde dafür schon mehrmals diskutiert. So nehme ich dieses Rezept zum Anlass, eine Gurkenstellungnahme abzufassen: In jungen Jahren (also als Kind) mochte ich die besagte Gurke gar nicht. In jeglicher Form wurde das wässrige Gemüse missachtet. Im Prozess der Reifung jedoch, gelang es mir, meine Abneigung gegen Gurken (wie übrigens auch gegen Tomaten) soweit abzustreifen, dass mir ihr Verzehr keinen Ungenuss bereitet. Das sehr unstabile und fragile Gleichgewicht meiner Gurkenliebe gerät natürlich sehr ins Wanken, wenn das arme Gemüse aus der Küche förmlich verbannt, mit Schimpfwörtern überschüttet und vollkommen geplättet wird. Jedoch! Auch wenn ich Gurken wahrlich nicht besonders toll finde, möchte ich doch festhalten, dass man auch Gurken eine Chance geben sollte. Wenn wir Mangos und Avocados personifizieren können (siehe Tag 40), so kann ich dies auch mit unserer Gurke tun und sie heranziehen, um mich für Gleichberechtigung stark zu machen! Gemüse sind alle gesund und Gemüse sind alle wichtig. Drum esst mehr Gemüse und verschmäht keines davon!!! 
Soviel dazu. 
Der Salat war übrigens wirklich sehr sommerlich und köstlich. Zum Abendessen bereiteten wir ein Schinkensteak an Kräutersauce zu. Also alles in allem ein sehr erfolgreicher und gelungener Tag. Zumindest in der Küche. 

287 to go. A.