Dienstag, 13. Mai 2014

Tag 132 - Die tapferen Köchinnen

Regelmässigere Leserinnen und Leser wissen es bereits: wir sind verflucht.

Verflucht von der bösen Küchenfee.

Verflucht, zu scheitern. 

Jeden Tag.

Lassen wir uns dadurch aufhalten?

Geben wir deswegen auf?

Niemals!!

Wie immer übertreibe ich natürlich ein bisschen. Aber es scheint wirklich so, dass im Moment kein Rezept ohne kleinere Pannen unsererseits (ooooooooder Annemarie-seits) über die Bühne geht. So war leider auch der gestrige Abend relativ arbeitsaufwendig - und mittelmässig erfolgreich. Wir versuchten uns an den filigranen Gefüllten Zucchettiblüten mit Tomaten-Vinaigrette und am Kaninchen-Pilaw. 

Es fängt bereits in der Migros an. Mit dem Kaninchen aus Ungarn und einem höllisch schlechten Gewissen stürmen wir anschliessend den Coop (gar kein Kaninchenfleisch) und ergattern die letzten, leider nicht mehr ganz frischen, Zucchettiblüten. 

Die erste Viertelstunde in der Küche verbringe ich deshalb damit, das Verfaulte von den Blüten zu schneiden, die Verfaulungsreste von den unverfaulten Blüten zu wachen und wie eine Verrückte an jeder Zucchetti zu schnuppern um wirklich sicher zu gehen, dass nun alles geniessbar und für die Füllung bereit ist. 

Das Kaninchen-Pilaw stellt sich als einfacher - aber als relativ uninspirierend heraus. Natüüüüüürlich braucht es wieder einmal Rosinen und hach - siehe da - Peperoni, ansonsten bleibt die Liste aber relativ einfach und bescheiden - etwas Petersilie, etwas Minze, Reis, Olivenöl, Bouillon und ein paar Gewürze. 




 Beide Gerichte schmecken schliesslich ganz gut. Die Zucchetti selbst bleiben unspektakulär, die Blüten mit der Ricotta-Füllung sind lecker. Das Pilaw ist vor allem eins - langweilig - und schmeckt hauptsächlich - wer hätte es gedacht - nach Peperoni. Geniessbar ist beides, nur gute Laune macht weder das eine noch das andere  und um nicht alles an Annemarie auszulassen, verschiebe ich das Blogschreiben auf - nun - heute. 

Ungebrochenen Mutes kochen wir auch heute weiter. Zitronennudeln mit Rucola. Und siehe da: Dieses Rezept gelingt uns ohne (grössere) Pannen - okay, zugegeben, die Sauce ist einmal übergekocht und hat sich über den halben Herd verteilt, aber da schauen wir grosszügig darüber hinweg - aber ansonsten ergaben Peterli, Rucola, Zitronensaft, Tagliatelle und Rahm ziemlich genau das von Annemarie geplante Rezept - phu. Und so ein Erfolg schmeckt - gerade nach einigen Niederlagen - sehr sehr lecker. Ich schmolle nicht mehr. Und packe die weisse Fahne aus. Frieden, Annemarie, Frieden.



Ausser…

Nein, nichts. Das Rezept war wirklich super.

(Ich werde es nicht sagen.)

Also, das wären ... wie viele to go? 

(Okay, es muss doch noch raus.)

Ausser, dass die Menge unserer Meinung nach für dieses Rezept falsch ist. Die 250 Gramm Tagliatelle reichen vielleicht für vier Personen, wenn 3 davon unter 5 Jahre alt oder alle 4 Topmodels sind. Zu zweit verputzen wir diese Menge jedenfalls mir nichts, dir nichts - und haben einiges an Sauce übrig.

Abschliessend möchte ich mich für die Unterstützung in diesen harten Zeiten bedanken - bleibt mit uns dran, wir brauchen euch - eines der nächsten Abenteuer hat nämlich Fenchel drin (wüüüüäääh).

232 to go.
N.


Sonntag, 11. Mai 2014

Tag 130 - Rückblick auf ein Wochenende

Nun sind wieder 3 Tage Wochenende vorüber und man könnte sich wundern, ob wir unser Tief, unseren Küchenfluch, schon überwunden haben? 
Am Samstag Abend kochten wir und N.s Mama Curry-Hackfleisch mit Spinat und Reis und überbackene Spargeln an Orangenbutter. Und siehe da, alles scheint zu klappen, keine Verbrennungen, keine angebrannten Spargeln oder Reis, keine Artischocken und auch keine Peperoni. N. kann sogar über die Rosinen im Curry-Hackfleisch hinwegsehen, da es doch alles in allem sehr gut schmeckt. So einfach scheint es: Drei Köche in der Küche (oh wie wundervoll schnell doch alles geht, wenn drei Leute schnätzeln und schnippeln und köcheln), zwei Rezepte = ein gutes Essen!!! Den Schwung des Erfolgs schwingen wir dann auch auf den Sonntag. Voller Tatendrang wenden wir uns den Knusperherzen zum Muttertag zu: wir triumphieren innerlich, denn das Rezept hat nur zwei Zutaten. Schokolade und Mandelstifte. Kiiinderleiiiiicht, denken wir. Und noch in morgendlicher Trägheit beginnen wird. Aber Achtung. Was wir nicht wissen. Schokolade-Schmelzen muss gelernt sein! Und benötigt Konzentration. Damit die Schokolade nicht zu stark gerührt wird nach dem schmelzen und dadurch wieder hart wird. Genau das ist nämlich geschehen. Und so starren N. und ich auf den Klumpen Schokolade, der mit unseren Mandelsplittern beklebt ist. Nein, so sollte das wirklich nicht aussehen! Auch in unserem Rezeptbuch lässt sich keinen Tipp oder Rettungsvorschlag à la "Wenn Sie versehentlich die Schokolade etwas zu hart werden liessen und schon mit den Mandelsplittern vermischt haben - keine Sorge - ich weiss Rat: machen Sie xy und Ihre Knusperherzen werden genauso schokoadig fein umhüllt wie auf obigem Bild". So versuchen wir es halt selbst. Doch auch durch ein erneutes Wasserbad wird die Masse nicht flüssig. Unter Beigabe von Butter wird sie dann zum Glück etwas formbarer und so gelingt dann doch noch das ein oder andere Herz. So sind wir, nach einer absoluten Schreckenshalbstunde, wieder an selbem Punkt wie ende Woche: Mit pochendem Herzen, denn es scheint, wir sind verflucht. 

235 to go. A. 




Donnerstag, 8. Mai 2014

Tag 127 - Beziehungskrise

Annemarie, 

dieses Mal liegt es an dir. Ich musste leider feststellen, dass bei gebackenen Artischocken mit Kräutern meine Liebe für dich aufhört. Müssen wir denn jedes Mal, wenn es um dieses Gemüse geht, die gleiche Diskussion führen? Dass ich keine Lust habe, mühsam den oberen Teil der Artischocke abzuschneiden, die Hälfte der Blätter wegzuwerfen, um mich dann der fast unmöglichen Aufgabe zu stellen, das Heu aus der Mitte herauszukratzen? (Nein ich besitze leider keinen "scharfkantigen" Teelöffel). Auch die Idee, die Artischocken dieses Mal mit Weissbrot, Mandelplättchen und Kräutern zu füllen, kann mich da nicht mehr erheitern. Ich werde zickig und fluche ein bisschen vor mich hin. Das Resultat ist wie erwartet (ich höhne ein bisschen - da ich - wieder einmal - Recht hatte) kein kulinarisches Vergnügen. Der Artischockenboden ist hart und die sonst so zarte Innenseite der Blätter kommt überhaupt nicht zur Geltung. Die Füllung ist zu trocken und … nein, ich werde gar nichts weiter dazu sagen ausser: Ohne mich! (Und wage es jetzt nicht zu behaupten, ich hätte in der Küche etwas falsch gemacht. Das wäre wirklich ein denkbar schlechter Moment.)




Nun, eigentlich dachte ich, dir würde etwas an unserer Beziehung liegen, dir wäre es wichtig, was ich von deinen Rezepten halte, du würdest meine Meinung schätzen und mit dem nächsten Rezept vielleicht eine Versöhnung ansteuern. Aber was sehe ich da? Peperonisalat mit Lauch und Feta. Du weisst doch, dass ich keine Peperoni mag? Und dann müssen da auch noch Oliven drauf? Und die Peperoni müssen geschält werden, was nach kurzem Backen mit Grillfunktion (habe ich denn eine Grillfunktion bei meinen schon erwähnten vorsintflutlichen Lagerfeuer-ähnlichen Backofen?!) ohne Probleme gehen sollte - na danke schön. Annemarie, du hast wirklich keine Ahnung von Frauen.

Ich schmolle.

Immer noch.

Chrm, chrm.
Ich sagte: ich schmolle.

Okay - wenn du's unbedingt wissen musst: der Peperonisalat war wider Erwarten (und du ahnst wie schwer es mir fällt, das zuzugeben) geniessbar. Vielleicht sogar gut, wenn man Peperoni ein wenig lieber hat als ich. Und die Idee mit dem Feta ist nicht schlecht. Wirklich. 

Annemarie, 

ich mag es nicht wenn wir streiten. Das macht meinen Alltag anstrengend und mein Nachtessen einiges weniger genüsslich. Wenn ich aber in deinem Kochbuch einige Seiten weiter blättere, Spargeln mit Orangenbutter und Curryhackfleisch mit Spinat oder Knusperherzen (aus Schokolade) studiere, sehe ich unserer gemeinsamen Zukunft doch optimistisch entgegen.

238 to go.
Deine
N.

Dienstag, 6. Mai 2014

Tag 125 - Küchenfluch

Vielleicht liegt ja wirklich ein Fluch über uns? Und wenn ja, böse Hexe, wie können wir ihn aufheben? Bei Vollmond drei mal um eine hundertjährige Eiche hüpfen? Die pochierte Pouletbrust gelang uns zwar sehr gut, jedoch vergass ich leider, dass eine der Pfannen gerade 45 Minuten im 100 Grad heissen Ofen verbracht hatte und es kam mir erst wieder in den Sinn, als ich sie vom Herd wegnehmen wollte und ihre Henkel sich in mein Fleisch brannten. Nun tippe ich einhändig, da immer eine meiner Hände in Eiswasser badet. Und auch bei der Frühlingszwiebel-Radieschen Sauce schien der böse Fluch über unseren Köpfen zu hängen. Die Sauce wurde viel zu flüssig und schwamm um unsere Poulets herum. Habe ich zu viel Halbrahm genommen? Oder zu wenig Radieschen und Frühlingszwiebeln gehackt? Und wäre dies nicht genug, brannten danach auch noch unsere Baguettescheiben in der Bratpfanne an. Doch auch mit verbrannten Fingern, etwas schwarzen Broträndern und zu flüssiger Radieschen-Frühlingszwiebelsauce schmeckte unser Essen hervorragend. Auch wenn es etwas zu wenig war…

240 to go. A.

Ps: Falls jemand zufällig wüsste, wie man einen Küchenfluch wieder los wird…bitte dringend melden, unsere Tube Flamacin ist bald schon leer…


Tag 124: Goldmarie und Pechmarie

Es waren einmal, in einem Land unserer Zeit, mitten in einer verträumten Stadt, zwei junge Frauen, die beschlossen hatten, gemeinsam die Rezepte einer grossen Meisterin nachzukochen. Sie schwangen die Löffel, klapperten mit Töpfen und Schüsseln, zauberten Köstlichkeiten und kritisierten weniger gelungene Rezepte. Fröhlich und munter unterstützten sie einander gegenseitig, luden Freunde zum Essen ein und genossen ihr Vorhaben.

Eines Tages jedoch - völlig unerwartet und ohne erkennbare Beweggründe -  kam die böse Küchenfee und verzauberte die Frauen. Die eine sollte fortan nur noch Glück - die andere nur noch Pech in der Küche haben. Alles Flehen und Betteln war vergebens, die Küchenfee hatte gesprochen und verschwand mit einem bösen Lachen. An jenem Abend standen die beiden mit zittrigen Händen am Herd. Die Goldmarie übernahm die Erbsensuppe mit Wasabi-Schaum, die Pechmarie das Schweinsfilet mit glasiertem Pfeffer-Rhabarber. Gemeinsam wollten sie es übernehmen, die Zitronen-Kohlrabi zuzubereiten.

Anfangs sah es ganz so aus, als wäre der Fluch der Küchenfee nur ein böser Traum gewesen. Während die Suppe der Goldmarie so prächtig gedieh, dass sie sich schon um die Kohlrabi kümmern konnte, garte auch das Fleisch der Pechmarie im Ofen herrlich vor sich hin und der Zucker für dessen Sauce karamellisierte so perfekt, dass es eine reine Freude war, den beiden zuzusehen.

Doch dann schlug das Unheil zu. Die Frühlingszwiebeln fehlten! Voller Verzweiflung durchsuchte die Pechmarie den Kühlschrank, die Vorratskammer und den Keller, aber nirgends waren Frühlingszwiebeln zu finden. Traurig begnügte sie sich mit normalen Zwiebeln, den dunklen Schatten des Fluches im Nacken. Zaghaft mischte sie die Rhabarber der Sauce unter und ermahnte sich, gut aufzupassen, diese ja nicht zu lange zu garen, genau so, wie es im Rezept stand. Nun traf es sich, dass die Goldmarie just in diesem Moment Hilfe mit den Kohlrabi brauchen konnte. Die Pechmarie half mit der Zitrone, dem Noilly Prat und der Bouillon und als sie das nächste Mal in ihren Topf sah - wie weinte sie bittere Tränen! Statt ansehlichen Rhabarberstücken mit grünen Frühlingszwiebeln sah sie eine kaum definierbare, rote, matschige Masse, die traurig vor sich hin brodelte.





"Das kann passieren", wurde sie von der Goldmarie getröstet, "das war bloss ein Missgeschick, sieh doch, unser Essen schmeckt immer noch ganz vorzüglich." "Tatsächlich, es schmeckt wirklich hervorragend", schniefte die Pechmarie, "aber wenn ich jetzt gar nie mehr richtig kochen kann? Und immer blöde Fehler mache?" "Unsinn", antwortete Goldmarie, "du wirst sehen, morgen wird es sein als wäre nichts gewesen."

Aber auch am nächsten Tag hatte die Pechmarie kein Glück. Die Zucchetti-Tarte mit Tomaten-Vacherin war zwar so einfach zuzubereiten, dass sie anfangs dachte, dabei könne fast nichts schiefgehen. Doch dann verwechselte sie das Abtropfgewicht auf der Pelati-Dose mit dem eigentlichen Gewicht und mischte viel zu viel Tomaten unter den Käse und den Basilikum. Sie bemerkte ihren Fehler erst, als die Tarte, zugedeckt mit in Scheiben geschnittenen Zucchetti, auch nach 30 Minuten im Ofen immer noch matschig, feucht und wässrig war. Auch weitere 10 Minuten auf 200 Grad konnten ihren Fehler nicht mehr ausbessern und obwohl die Tarte immer noch sehr gut schmeckte, fühlte sich die Pechmarie, als wäre sie von allen guten Küchengeistern verlassen worden. Zaghaft schaute sie an jenem Abend hinauf in den Himmel, zählte die Sterne und hoffte auf eine Sternschnuppe, die sie von ihrem Unheil wieder befreien würde.


241 to go.
N.

Sonntag, 4. Mai 2014

120 - Erdbeeren mit Erdbeeren an Erdbeersauce

Während wir unsere Thurgauer Erdbeeren löffeln, wird uns langsam klar, dass es doch schon Mitten im Frühling ist. Auch wenn es die letzten Tage geregnet hat als gäbe es kein Morgen, reifen in der Schweiz Erdbeeren und schmecken sogar danach. Wir machen nämlich Erdbeeren Romanoff, was an den Coupe Romanoff erinnert. Hier nun eine kleine Haarspalterei bezüglich des Namen: Der Coupe Romanoff besteht aus Vanilleeis und frischen marinierten Erdbeeren. Was sind denn nun unsere Erdbeeren Romanoff? Erdbeeren mit frischen marinierten Erdbeeren? Erdbeerige Erdbeeren? Naja, auch wenn mich der Name unseres Desserts zum nachdenken anregt, schmecken die marinierten Erdbeeren, die mit Orangenrahm garniert werden, sehr gut. Auch wenn es für ein Dessert beinahe etwas zu einfach gestrickt ist, meiner Meinung nach, lässt sich nichts Negatives darüber sagen. 

245 to go. A.


Freitag, 2. Mai 2014

Tag 119 - Fischers Fritz

Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz…

Ja so essen wir halt den Fisch - wenn es sein muss!!!! Und er schmeckt ja dann auch gar nicht mal so schlecht, aber wirklich Lust darauf haben wir ja nie. Unsere Beziehung zu Fisch wird sich wohl auch nie ändern. Dass es nie den Fisch im Laden hat, denn wir bräuchten, macht es auch nicht gerade besser, wenn wir wieder einmal für Annemarie ein Fischgericht kochen sollten. Für uns ist Dorsch, Saibling, Rotzunge, Forelle etc. etc. einfach ein und dasselbe: es ist nicht Fleisch und auch kein Lachs (denn Lachs können wir unterscheiden: er ist lachsfarben -wie praktisch- und schmeckt meistens nicht so fischig und meerig wie alles andere). 
"Du stinkst nach Fisch" sagt der eine Pinguin zum anderen. 
"So riechen Pinguine eben." sagt der andere zum einen. 
Aber wir sind keine Pinguine, darum mögen wir auch nicht, wenn wir und unsere Wohnung von Kopf bis Fuss nach Fisch riechen. Wenn das Saiblingsfilet (es war natürlich kein Saiblingsfilet, sondern das Filet eines anderen, laut Metzger beinahe identischen, Fischs) mit Muskatbutter dann vor uns auf dem Teller liegt, zwar fischige Gerüche ausdampft, aber dann erstaunlicherweise doch noch ganz passabel schmeckt, loben wir unser Projekt, das doch ab und zu dafür sorgt, dass wir etwas essen, was wir ansonsten einfach aus kulinarischer Faulheit verschmähen würden. 
Ein Hoch auf Annemarie. Und für heute auch ein Hoch auf des Fischers Fritz. 

246 to go. A.