Dienstag, 7. Oktober 2014

Tag 280 - Mother knows best!

Ich weiss nicht, wie ihr es habt. 
Und ob diese Regel als universal gilt. 
Für mich ist sie auch mit 26 (ich hatte in der Zwischenzeit Geburtstag) immer noch wahr:

Im Zweifelsfall rufst du deine Mutter an.

Besonders bei Problemen in der Küche könnte ich es mir auch heute nicht anders vorstellen. Da schreibt Betty Bossy ganz locker: "Verwenden sie Zucker oder Puderzucker" - ja was denn nun? Maaaaaaaaaamaaaaaaaaaaaaaaaa?
(Schliesslich will man ja, dass die Guetzli nacher genau so fein schmecken wie bei ihr.)

Nun, das alles erzähle ich euch, weil ich heute zwei Ratschläge meiner Mutter in die Tat umsetzen möchte:

1. Du solltest wieder einmal den Blog schreiben (oh wie wahr.)
2. Vielleicht schreibst du wieder einmal etwas Positives? Sollte Annemarie über eueren Blog stolpern 
    und euer Gejammer der letzten Zeit lesen…

Auch im zweiten Punkt hat sie nicht unrecht. Unser Projekt ist im Moment - mehr auf Grund anderer Ereignisse - etwas anstrengend. Es braucht Überwindung, jeden Tag zu kochen, und so sind wir automatisch kritischer und anspruchsvoller als auch schon. Unser Blog soll sich aber in keiner Weise als Trauerspiel unserer eigens auferlegten Schicksals lesen - denn die meiste Zeit stehen wir immer noch sehr vergnügt in der Küche. Im heutigen Post soll also der Schwerpunkt auf der Sonnenseite unserer (sehr zahlreich gewordenen) gekochten Rezepte liegen. Denn Annemarie, dein Buch macht uns - immer noch - sehr viel Freude.

17. September - Mais-Quiche
Ein tolles Rezept! Mit frischem Mais und sogar trotz des Gorgonzola wird diese Gemüsequiche würzig und fein. Das Beste: kalt schmeckt sie mindestens genau so gut wie frisch aus dem Ofen und eignet sich perfekt zum Mitnehmen.

18. September - Zanderfilet mit Trauben an Senfsauce
Zugegeben - hier war ich kritisch. Trauben und Senf? Mit Zander? Schliesslich hatten wir mit Zander nicht die besten Erfahrungen gemacht. Aber siehe da? Es schmeckt uns beiden! Völlig erstaunt sitzen wir uns am Tisch gegenüber und A. meint: "Das schmeckt mir doch tatsächlich". Unser Projekt ist halt immer wieder für eine Überraschung gut.

19. September - Crostini mit Safran-Fenchel
Hmmm… ihr wisst, was ich von Fenchel halte. Vom Anis-Geschmack, der penetrant auf alles abfärbt was ihm in die Quere kommt? Nun, zu diesem Rezept lässt sich sagen, dass die Kombination von Fenchel mit Safran eine ideale für all die ist, die Fenchel nur begrenzt oder gar nicht mögen. Denn der Safran setzt sich durch und mag den Fenchel so übertönen, dass dieses Gericht auch für Fenchel-Hasser geniessbar ist. Danke.

20. September - Zwetschgenkompott mit Orangen
Habe ich in diesem Blog bereits einmal meinen Vortrag gehalten, das Alkohol in Nachspeisen nichts verloren hat? Dass ich den Schnaps lieber trinke, als mit ihm das Schokoladenmousse zu versauen. Nun - ganz ehrlich - wir kommen auf den Geschmack von Früchtekompott  mit Rotwein. Irgendwie passt uns die säuerlich-süsse Rotwein-Früchte-Zucker-Mischung. Ich werde etwas kleinlauter (auch was Annemaries Dessert-Künste angeht, über die ich mich in der Vergangenheit vielleeeeeiiiiiiicht einmal ausgelassen habe) und geniesse diese Nachspeise.

21. September - Weisse Thonmousse
Ja, diese weisse Thonmousse war einfach wunderbar! Da der Mousse zum Schluss Schlagrahm untergezogen wird, ist sie herrlich luftig und leicht und auch vom Geschmack her sehr dezent - absolut zu empfehlen. Das zu verwendende Sulzpulver haben wir zwar nirgends gefunden - es dann aber einfach durch Agar Agar ersetzt.

22. September - Traubengratin
Wie eine Traubenwähe ohne Teig - dafür mit Pinenkernen belegt - ein Nachtisch der etwas anderen Art. Mit hat vor allem der Guss mit den Pinienkernen geschmeckt, A. fand diese eher störend und hätte sich etwas mehr Trauben gewünscht. Dieses Rezept was in Ordnung, wir aber wahrscheinlich nicht unbedingt wiederholt. (Ist das noch positiv genug?)

23. September - Lammgigotsteak mit Gemüsehaube
Diese Hauptspeise wird mit einer Rotweinsauce serviert und ist etwas für Fleischliebhaber. Auch hier passt der Wein meiner Meinung nach perfekt ins Konzept und verleiht dem ganzen Gericht etwas Edles. Hat geschmeckt.

24. September - Zucchetti-Quark-Pastete
Dieses Gericht ist eines meiner Lieblingsgerichte. Eine Pastete, gefüllt mit Zucchetti und Käse und Kräutern… njam! Man hört nur schon den Zutaten an, dass hier absolut nichts schiefgehen kann. Und auch für dieses Gericht gilt: Am nächsten Tag und ausgekühlt schmeckt sie fast noch besser!

25. September - Kalbsfleischvögel im Gemüsebett

(leider ohne Bild - wir Penner)

Diese süssen Fleischvögel werden im Backpapier zubereitet. So kann man vor dem Geniessen des Gerichts auch noch ein Päckchen öffnen - das macht besonders Spass. Auch geschmacklich können und wollen wir über diese Kalbfleischvögel nichts Schlechtes sagen. Das Rezept hält unserer Prüfung stand.

26. September - Kürbispilaw mit Eierschwämmchen
Ich liebe Kürbis. Wirklich. Für dieses Rezept habe ich Butternusskürbis ausgesucht und es hat tatsächlich gut geschmeckt. Trotz des Kürbis ist und bleibt es halt ein Pilaw und ein Pilaw ist und bleibt (und da kann auch Annemarie nichts dafür) halt einfach ein bisschen langweilig.

27. September - Glasierter Kalbsbraten mit grüner Pfeffersauce
Der glasierte Kalbsbraten wird im Ofen zubereitet, was natürlich für uns immer eine kleine Herausforderung ist. Unser nicht ganz kooperativer alter Gasofen macht manchmal einfach, was er will. Die Konsequenz war, dass wir für das Fleisch einfach viel mehr Flüssigkeit benötigten (der Braten muss regelmässig übergossen werden) als im Rezept vermerkt war. Loben können wir das Fleisch und die Sauce. Schweigen werde ich an dieser Stelle über das Gemüse. 

29. September - Schweinssaltimbocca mit Steinpilz-Baumnuss-Butter
Wieder einmal stehe ich an der Metzgertheke. Da Annemarie schreibt, das Schweinsschnitzel müsse "mager und zart" sein und etwa 60g wiegen, will ich dem Metzger der Einfachheit halber gerade mitteilen, wofür ich das Fleisch benötige. Leider hört dieser nur "Saltimbocca" und bevor ich mich versehe - halte ich zwei Kalbsschnitzel in den Händen. Nun gut, denke ich, ganz die freundliche Kundin - und mache mich mit meinen Kalbsschnitzelchen auf den Heimweg. Annemarie wird mir verzeihen. Das Rezept hat dann tatsächlich ganz wunderbar geschmeckt. Die Butter passt herrlich zum Fleisch und zu der Beilage (natürlich ein Risotto) und wir haben nach Herzenslust geschlemmt. Und darüber diskutiert, dass Saltimbocca nichts mit Salbei zu tun hat, sondern damit, dass das Gericht so gut ist, dass es einem in den Mund springt.

1. Oktober - Wurstkrapfen
Ja, dieser kleine feine Apéro hat nur einen kleinen Hacken: Man müsste schon ein Profi-Foto-Koch sein, damit die Häppchen so wunderbar aussehen wie in Annemarie's Buch. Bei uns gleichen die Bratwurststückchen mit Lauch im Teig eher einem unförmigen Haufen als einem edlen, runden Krapfen. Der Geschmack ist aber nichts desto trotz sehr fein - und die Zubereitung unkompliziert.

Wer hat's gemerkt?

Wir sind mit unserem tollen Projekt grauuuuenhaft im Rückstand.
Aber davon lassen wir uns nicht beirren. 

"Das schafft ihr schon, du hast ja jetzt Ferien", sagt meine Mutter.

Und recht hat sie. Haltet euch fest Freunde.
Jetzt wird aufgeholt.


93 to go.
N.




Dienstag, 16. September 2014

Tag 259 - Das Gruseldinner

Man stelle sich vor: 
Ein regnerischer Abend, der Himmel ist rabenschwarz und am Horizont zucken die Blitze. In das Donnergrollen mischt sich das Geheul von Wölfen. Auf einem Felsvorsprung steht majestätisch ein grosses Schloss. Zwei verlorene Wanderer - nass bis auf die Knochen - irren durch die Nacht, sehen die erleuchteten Fenster und steuern direkt auf ihr Verderben zu. 
Der tapfere Mann hämmert mit dem Türklopfer, der aus einem schreienden Gesicht geschmiedet ist, gegen die hohe Eisentür und der Wiederhall erschüttert die Frierenden bis ins Mark. Die Tür wird einen Spalt breit geöffnet und eine zwielichte Gestalt streckt ihren Kopf heraus. Die zwei Fremden werden hereingebeten, doch Furcht kriecht ihnen den Rücken hinunter, als sie von dem Diener in den grossen Speisesaal geführt werden. Ein langer Tisch ist gedeckt, die einzige Lichtquelle sind die Kerzen, die in silbernen Kerzenständern überall im Raum aufgestellt sind. Das flackernde Licht wirft Schatten an die Wände. Am Kopfende des Tisches sitzt ein grauhaariger, natürlich schneeweisser Herr in Anzug. Ihm gegenüber sitzt ein weibliches Pendant mit schwarzen, langen Haaren und roten Lippen. Die zwei Wanderer setzen sich an den Tisch, sich gegenüber. 
Und da wird das Essen von fischgesichtigen Kellnern aufgetischt: 

Vor ihnen auf dem Teller liegt ein Eierschwämmchen-Lauch-Töpfchen. Um den Gastgebern keinen Anlass zur Wut zu geben, essen sie die Teller leer und auch der zweite Gang - den Kabissalat mit Portweintrauben und geräucherter Entenbrust- essen sie tapfer. Doch das Grauen scheint kein Ende nehmen zu wollen: der gefüllte Fenchel an Dillrahmsauce gibt ihnen den Rest. Sie flüchten, so schnell sie können.

Naja. Das war jetzt vielleicht etwas zu dramatisch. Das Eierschwämmchen-Lauch-Töpchen war gar nicht so schlecht! Und wir sind keine Vampire. Und unsere Wohnung kein Schloss. Und geregnet hat es auch nicht.
Aber unsere zwei Gäste verliessen bestimmt genauso fluchtartig unsere Küche. Auch wenn der Hauptgang (er passte nicht mehr in die Geschichte) Fleischkäse nach Wiener Art wirklich geniessbar war, stolz auf das Dinner konnten wir nicht sein. 





Was die zwei einsamen Wanderer jedoch nicht wussten - wären sie einige Tage später irrend zum Gruselschloss gelangt, hätten sie kulinarische Höhenflüge erleben können. Der Schweinsbraten mit Salbei und Knoblauch (njam) ein Tag später, oder der Tomaten-Rucola-Salat mit geröstetem Brot (njam-njam) oder (das absolute Highlight) den Zwetschgen-Schokoladen-Cappuccino - alle diese Rezepte hätten ihnen serviert werden können. Doch natürlich ausgerechnet an diesem regnerischen Tag … Pech gehabt.





Und die Moral von der Geschichte - auch Vampire können gute Köche sein!

106 to go. 
A.


Ps: Je nachdem wären sie auch gerade dann gekommen, als die zwei Vampire ihre Finger mit Salzzitronenmarinade unter die Haut eines Mistkratzerli steckten… (Salzzitronen finden sich übrigens in Türkischen Supermärkten - zum Glück wohnen wir in einer Stadt, in der es so was hat - und sie schmecken nach Zitronenseife)





Donnerstag, 11. September 2014

Tag 252 - Keep on cooking

" And I thought to myself: Oh son, 
you may be lost in more ways than one,
but I've a feeling that it's more fun,
than knowing exactly where you are. "

Passenger - Keep On Walking

Manchmal wissen wir es selbst nicht mehr.
Wo wir eigentlich mit allen Rezepten stehen.
Wofür wir jetzt wieder Zutaten gekauft haben.
Worüber wir schon geschrieben haben.
Worüber wir noch berichten müssen
(obwohl wir vielleicht lieber darüber schweigen würden).
Ob wir uns im Zeitplan befinden.
Ob wir es uns leisten können,
Sushi zu essen,
statt Annemarie zu kochen.

Ist heute Tag 252? 
Ich habe gezählt, aber ehrlich gesagt,
bin ich mir nicht sicher.

"Well, I said I'll keep on walking"

Ich werde ganz einfach vorne anfangen.
Die letzten Wochen waren voll.
Voll von Programmen, Arbeiten,
tollen Familientreffen, Geburtstagen,
wundervollen Schülern, Tagen in den Bergen,
vor dem Computer, Tagen mit rarem Sonnenschein, 
voll mit einigen kulinarischen Höhenflügen,
und kurzen Küchenabstürzen.

Wir schlugen uns durch ein unmögliches Rezept, in dem Peperoni so gekocht werden müssen,
dass man sie anschliessend zu "Rosetten" rollen und gekonnt anrichten kann.
(Könnt ihr es euch vorstellen?)

(28. August)

Wir kochten einen toskanischen Bohnentopf, der so viel Eindruck hinterlassen hat,
dass es mir schwerfällt, nach 2 Wochen noch einen Kommentar dazu zu verfassen.
(Soviel weiss ich noch: Er war sehr heiss.)

(30. August)

Wir versuchten uns an Fleischvögel, die dank Brät ohne Zahnstocher problemlos zusammenhalten sollten. Nun, den Erfolg diesbezüglich könnt ihr euch vielleicht ausmalen, kombiniert mit den Fluchen, 
die für Annemarie ausgestossen wurden.
(Geschmeckt hat es trotzdem wirklich gut.)

(31. August)

Wir genossen frische, knackige Maisomelettchen mit Schinken,
die alles hielten, was sie versprachen.
(Und das will heutzutage schon einiges heissen.)

(2. September)

Wir versuchten mit einem Peperoni-Moussaka, unsere Griechenland-Ferien
wieder aufleben zu lassen.
(Die Speise hat zwar gut geschmeckt, hatte aber, nach unseren Erfahrungen, mit einem Griechischen Moussaka eigentlich nichts zu tun.)

(3. September)

Wir bereiteten herrliche Kürbis-Tomaten-Bruschetta zu, die ich sofort für Gäste als Vorspeise zubereiten würde.
(Ich sage nur: Kürbiskerne auf getoastetem Brot!)

(4. September)

Wir frönten der währschaften Küche mit einem Kartoffelstockgratin mit Zwiebeln und Tomaten.
(Und ich entdeckte, dass Zwiebeln irgendwie nach Wein schmecken können.)

(5. September)

Wir versenkten Himbeeren in einem wundervoll süssen Schokoladengebäck.
(Und mit unserem Projekt machen auch Annemaries Dessertkünste Fortschritte.)

(6. September)

Wir zauberten einen Feigensalat mit Tête de Moine der einfach absolut edel schmeckt.
(Fast 'ätte isch meinen fronsösischen Accent wieder ausschepackt.)
(9. September)

Wir kochten Pouletstreifen mit Frühligszwiebeln und Tomaten, ein so unkompliziertes und feines Rezept, dass A. es sich sogar zu Reis vorstellen könnte.
(Und A. mag keinen Reis.)
(10. September)

Und wir brieten Auberginen und versahen sie mit einer Zwiebelmarinade.
(Nur um herauszufinden, dass kein Rezept die perfekte Variante von A.'s Mutter (mit Balsamico und eingelegten Tomaten) übertreffen kann.)

(11. September)

" We keep on walking."

Because we love it.

114 to go.
N.







Freitag, 29. August 2014

Tag 239 - Wieder Müde - wieder Freitag

Mich erwischt es immer am Freitag!

Ich kann zwar kaum glauben, dass schon wieder eine Woche vorbei ist, seit dem letzten Post, aber der Blog lügt nicht.
Wir haben die letzte Woche fleissig gekocht, sind mehrere Stunden in der Küche gestanden und irgendwie geschmeckt hat es doch nicht. Kulinarisch die absolut schlechteste Woche seit Januar. Vielleicht denke ich das auch nur, weil der Zander mit Balsamico-Tomaten so abgrundtief ungeniessbar war, dass die Rückblende vor meinem inneren Auge  so schlecht ausfällt.
Aber lasst es uns chronologisch rekonstruieren:

Da waren die Farfalle mit geröstetem Tomatenfenchel zu Mittag.



Wir hassen Fenchel. Also: Die erste Niete.

Dann kam der Sommerliche Bohnensalt, die gefüllten Zucchetti mit Reis und Tomaten, und den Zander mit Balsamico-Tomaten. 
Ja ihr hört richtig, drei Rezepte auf einen Streich. Und was für Rezepte!!! Beim Bohnensalat kann ich noch Gnade walten lassen und die Zucchettis waren etwas fad - aber da kann man ihnen wohl kaum einen Vorwurf machen - das sind sie doch immer. Aber der Zander . . . 

. . . ich muss wirklich mit Schande und Scham gestehen, dass ich meine Portion nicht ganz aufessen konnte. So legte ich, nach bestimmt mehr als einer Stunde in der Küche schuften, völlig ungesättigt und leicht bedrückt meine Gabel und mein Messer nieder. So kann das doch nicht weitergehen? 
Da kann man wirklich mit dem Zweifeln beginnen.






Die letzten zwei Rezepte waren dann zum Glück wieder besser. Die Champignons im Strudelteig regen meine Fantasie soweit an, dass ich mir jegliche Zutaten in Strudelteig vorstellen möchte - es sieht gut aus und schmeckt. Dieses Rezept hat Potential! Ausbaupotential! Kombiniert mit vielen anderen Strudelteig"muffins" ein echter Hingucker. Und an den Hackfleischspiesschen auf Couscous-Salat lässt sich auch nichts aussetzen.



Für heute ist natürlich noch kein Feierabend - jetzt heisst es ab in den Migros, einkaufen und kochen. Ich drücke uns die Daumen, dass wir nicht umsonst in der Küche stehen werden…

125 to go.
A.












Freitag, 22. August 2014

Tag 232 - Einfach müde

Freitag.












Ja, da fällt einem wirklich nichts anderes mehr ein ausser:
müde.

Denn genau so fühle ich mich nach den vielen Stunden, die ich in einen Computerbildschirm gestarrt habe, dem schaurigen Kribbeln, das mich befällt, wenn ich an alles denke, was ich bis zum Unibeginn noch machen sollte und dem inneren Gefühl, dass ich dafür viel zu wenig schnell voran komme, trotz dem unglaublich frühen Aufstehen zu wenig produktiv und diszipliniert bin. Ja, so sieht das Leben einer Studentin aus - zwar quält mich kein Stunden- oder Arbeitsplan, aber dafür  fühlen sich alle die Dinge, die zu erledigen sind (inklusive Geld verdienen) so an, als wären sie schaurige Dämonen, die mit ihren teuflischen, schlangenartigen Armen an mir zerren bis ich zu zerreissen drohe. Und mich in die Vergangenheit rückwirkend (wieso habe ich nicht schon im Juni mehr geleistet?) verfluchend, bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Zeit bis zum neuen Semester so gut wie möglich unter den vielen Dämonen aufzuteilen. Damit keiner zu kurz kommt.
Wie ihr seht - ich bin im Stress. :)

Aber weil es ja nicht um mich, sondern um das Kochen geht, ignorieren wir das alle doch einmal.

Es gab:
Quark-Hamburger
Vom Prinzip her ganz einfach: man nehme gemischtes Hackfleisch und zerhacke diverse andere Zutaten und mische alles zu einem Teig. In unseren speziellen Hackhamburger hat es noch Quark, was sie besonders leicht und zart macht. Das Rezept war einfach und köstlich. Natürlich kommen diese Hamburger nicht an die Königinnen der Hacktätschli heran - an Elfi Casty's Hacktätschli - aber für diese hackt und schnippelt man auch mehrere Tage lang (Übertreibung) eine Tonne (wieder Übertreibung) von Gemüse in «allerfeinste Brunoise» (Wahrheit).

Marinierte frische Feigen
Mit diesem Dessert erreicht Annemarie eine gute Punktzahl. Zumindest von meiner Seite her. Denn mir schmeckte der Zimtrahm hervorragend. Auch wenn die Feigen natürlich nicht «möglichst reif» sind - ein Ding der Unmöglichkeit in unserem Migros - schmecken sie ganz süss nach Portwein und erhalten durch seine rote Farbe auch etwas rote Bäckchen.

Alles in allem ein erfolgreiches Menü. Und zum guten Glück kommt jetzt das Wochenende.

132 to go.
A.

Mittwoch, 20. August 2014

Tag 230 - Zeugnistag

Wenn der Wecker morgens unverschämt früh klingelt,
ich das Haus in der Dämmerung verlasse,
wenn meine Schüler sich wieder über Hausaufgaben beklagen,
oder mir erklären, warum genau sie nun keinen Zirkel dabei haben,
dann sind die Ferien vorbei.

Und mit den Ferien auch die Zeit, in der ich mich um den Blog herum mogeln konnte.

Es ist schon spannend, dass es so viel mehr Überwindung braucht, den Blog zu schreiben, als in der Küche zu stehen. Obwohl das Schreiben einiges weniger aufwendig, anstrengend, mühsam und frustrierend ist, als es die Arbeit in der Küche sein kann. Aber unser Projekt ist ja schliesslich auch eindeutig mehr Koch- als Schreibprojekt. 

Nun - liebe Leserinnen und Leser, liebe Bewunderinnen und Bewunderer, liebe Freunde, Verwandte, Bekannte, liebe Annemarie - hier bin ich also wieder.

Und um mit dem Schuljahr und dem Schreiben gleichzeitig wieder in Schwung zu kommen, hatte ich die durchaus kreative Idee, die letzten 7 Rezepte zu benoten um sie dann sortiert nach Leistung zu präsentieren. Zur Erinnerung: 6 ist die beste, 1 ist die schlechteste Note, eine 4 ist ein genügender Wert. (Worüber man sich sehr lange unterhalten könnte - macht es Sinn im ungenügenden Bereich mehr Ausdrucksmöglichkeiten zu haben, als im Genügenden? Differenzierter ausdrücken zu können, wie schlecht etwas ist, als wie gut? (Das aber nur am Rande, damit ihr nicht alle meint, ich sei ein Steinzeit-Noten-Verfecht-Lehrer, der sich nicht kritisch hinterfragen kann.))

Chrm chrm. Gut. Seid ihr bereit?

Die Ungenügenden (aus Oben erwähnten Gründen verzichte ich auf eine weitere Skalierung)

16. August - Gefüllte Tomaten mit Oliven-Tapenade und Mozzarella

Für dieses liebenswerte Gericht mit Mozzarella die Bufala und pürierten Oliven steht man wieder einmal unangemessen lange in der Küche. Die Tomaten werden geschält, die Oliven püriert, alles wird flachgedrückt und gefüllt und schliesslich mit Rucola und Balsamicoessig beträufelt. Und nicht nur die aufwendige Zubereitung ist suboptimal. Selten habe ich vom aufregenden Geschmack der Büffelmozzarella so wenig mitbekommen (weil eigentlich alles nur nach Oliven und Balsamico Essig schmeckte). Dieses Rezept hat definitiv nicht bestanden.

13. August - Limettencrêpes mit Heidelbeeren

Dieses Gericht schmeckt einfach nur sauer. Und zwar alles daran. Von den kaum gesüssten Heidelbeeren, über die eher faden Crêpe. Der leicht säuerliche Rahm (habt ihr gewusst, dass sich Rahm verdickt, wenn man Limettensaft dazu gibt?) hätte in einem anderen Kontext sicher gut geschmeckt, so zementiert er aber unsere leider schon geformte Meinung: Dies ist kein Dessert! Ich verstehe es schon nicht so ganz, liebe Annemarie. Schmeisst du doch sonst mit Doppelrahm, Käse, Rahm, Öl und Butter nur so um dich, (zum Glück) ohne auch nur einen Gedanken an Kalorien zu verschwenden, so wirst du ausgerechnet beim Dessert mit dem Zucker sparsam. Magst du selbst keine Süssigkeiten? Ist es ein Kindheitstrauma? Oder schaffst du ganz einfach ein Pendant zum Doppelrahm?

Die Genügenden - 4

12. August - Schweinsfiletröllchen am Spiess

An diesem Rezept lässt sich eigentlich nichts aussetzten. Die Filetröllchen mit dem Rohschinken und der Zitrone passen mit der Sauce gut zu einem Risotto. Warum es trotzdem bloss eine 4 gibt? Die Zutaten sind alle von guter Qualität und relativ teuer - und dafür ist das Gericht dann doch viel zu gewöhnlich - viel zu wenig spektakulär.

18. August - Knoblauch-Koteletts in Rosmarin Rahm

Dicke Schweinskoteletts in Rahm mit viel Knoblauch und Rosmarin gebraten - auch dieses Rezept war ganz in Ordnung. Nicht überzeugt haben uns die glitschigen Saucenzwiebeln, die da in der Sauce ihr Unwesen treiben, nicht wirklich stören, aber auch nicht wirklich gut schmecken - kein Rezept, das wir wiederholen würden.

19. August - Brombeergratin

Eigentlich habe ich an den zerbröselten Biskuits, die mit Brombeeren bedeckt und einem Guss überbacken werden Gefallen gefunden. Der Guss (mit Puderzucker und Crème Fraîche schmeckt vorzüglich und auch an zerbröseltem Shortbread kann ich natürlich nichts aussetzten. Meine Muskeln haben sich eifach bei jedem Biss auf eine Brombeere gewaltig zusammengezogen. Das ist Geschmacksache? Brombeeren müssen so schmecken? Haha, zum Glück bin ich die Lehrerin und deswegen… allmächtig. Wahahahahahahahahahahaha. (Now THAT'S an evil laugh.)

Die Guten - 5 

20. August - Marinierte Pouletschenkel mit Zitrone, Zwiebel und Oliven


Dieses Rezept war eine richtige Überraschung. Die Marinade schien so absolut nichts-sagend - ein bisschen Öl, etwas Essig, ein paar Zitronen, Zwiebeln und Oliven - aber im Backofen verwandelten sich meine bleichen, traurigen Pouletschenkel in eine leichtbebräunte, saftige Delikatesse. Und schmeckten einfach wunderbar. Ausser der Backzeit von einer Stunde übrigens herrlich unkompliziert!

Die Perfekten - 6

17. August - Pflaumenkuchen

Liebe Annemarie, nach dem Glace im Strudelteig ist dieser Kuchen die zweite Nachspeise, die in diesem Buch deine Dessert-Ehre rettet. Dieser (trotz den Pflaumen) wunderbar süsse Kuchen lässt sich gut halten und macht so auch noch zwei Tage nach dem Backen Freude. Ausserdem macht er optisch etwas her und eignet sich so auch zum Mitbringen. Einziges Hindernis bei der Zubereitung ist der selbstgemachte Mürbeteig - ein Teig der bestimmt schon Köche in den Wahnsinn getrieben hat - dieses Risiko aber geschmacklich einfach zu 100 Prozent wert ist. So macht Backen Spass!

134 to go.
N.





Dienstag, 12. August 2014

Tag 222 - Zurückgekehrt

Da sind wir wieder!
Ganze 21 Tage später melden wir uns mit unserem Blog zurück. 
Der Blog existiert noch, das Projekt existiert noch.
Und wir sind immer noch wie wild(eisen) in der Küche am Kochen. Vielleicht wilder den je.

Nach zwei Wochen Strand, Meer, Sonne, Lesen und im Restaurant essen (die griechische Küche konnte uns von vorne bis hinten überzeugen und begeistern … um nur einige absolute kulinarische Highlights zu erwähnen: Mousaka, frittierte Auberginen und Zucchettis, Feta im Strudelteig mit Honig und Sesam und Lamm an Oregano und Zitrone) war es um so schwieriger wieder in die Küche zu stehen und die teils weniger entspannenden Rezepte zu kochen. Aber wir haben es tapfer durchgehalten und können voller Stolz sagen, dass wir schon wieder mit einem Rezept in Führung sind. Nur der arme Blog blieb vernachlässigt. 

Seit letztem Mittwoch kochten wir:

1) Lauwarmes Schweinsfilet mit Balsamico an Tomaten-Vinaigrette


Diese Vorspeise (mit Mamas leckerer Focaccia) war ein sehr angenehmer Einstieg. Das Filet schmeckte  köstlich und die Tomaten erinnerten uns an die griechischen Sonnenstrahlen, die wir hier so vermissen.

2) Auberginensalat und 
3) Zucchetti-Tarte mit Pesto und Sauerrahmsauce

Der frische Pesto aus Basilikum, Pinienkernen und Parmesan war so gut, dass er das sonst etwas gewöhnliche Tarte-Rezept aufzupeppen vermochte. Der Auberginensalat schmeckte uns auch, sowohl die Oliven, als auch die Auberginen erinnerten uns an unsere Ferien. Auch wenn beides nicht frittiert war...

4) Lachs-Canelloni


Für dieses Rezept sind wir aus den Ferien zurückgekommen!!! 
Spass beiseite. Für Rezepte wie dieses lohnt sich unser Projekt. Denn die Lachs-Canelloni waren einfach nur grossartig. Eins für unser Repertoire. 

5) Nektarinen auf leichter Vanillecreme an Brombeerjus
Ich muss ehrlich zugeben, dieses Dessert sah optisch wirklich sehr gut aus. Die Vanillecreme wurde wegen der Crème fraîche ganz speziell (ich weiss nicht ob positiv oder negativ speziell), etwas salzig beinahe. Die Rotwein-Brombeer-Nektarinen schmecken mir am aller besten. Ansonsten standen wir relativ lange für dieses Rezept in der Küche. Wieder einmal kein gutes Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag.

6) Überbackene Broccoli-Tomaten
Für dieses Rezept habe ich schon genug Zeit investiert. Daher: Kein Kommentar.

7) Orientalisch gewürzte Lammfilets mit Gemüse-Bulgur
Und schon wieder haben wir hier ein Rezept, für das es sich gelohnt hat, den Liegestuhl gegen die Küchenschürze einzutauschen. Das Fleisch war ungeheuer zart und das Bulgur passte einfach perfekt zur Joghursauce. Auch hier eins für unser Repertoire.

8) Melonen-Orangen-Salat
Das Einzige, was dieses Rezept überhaupt zu einem Rezept macht, ist die spezielle Zutat namens Orangenblütenwasser. Auch wenn das sehr poetisch klingt - das Rezept war alles andere als gut gedichtet. 

9) Gefüllter Kalbshackbraten
Wir scheinen im Monat August eine Glückssträhne zu haben: Hier ist schon das dritte wirklich tolle und wundervolle Rezept. Wer ein Vorurteil gegen Hackbraten hat (so wie ich), sollte dieses Rezept ausprobieren. Jeder verdient eine Chance! Vor allem dieser Hackbraten.

10) Rührei auf Tomatenbrot
Rührei - einerlei. 
Das Tomatenbrot verdient es, erwähnt zu werden. 

11) Carpaccio von Kalbsfilet und Tomaten

Schon zum dritten Mal Filet im August. Hoppala. Es ist ja nicht so, als wären wir gerade in den Ferien gewesen und hätten nicht gearbeitet… aber natürlich schmeckt es dafür umso besser.

12) Neue Kartoffeln mit drei Quark-Dips
Viel schnippeln, viel einkaufen, kleiner Ertrag. Ein Rezept, das nicht wirklich eines ist. Aber wir geniessen die einfache Küche. 

13) Tomaten-Mango-Salat mit Mozzarella
Wer jetzt denk, dass diese Kombination einfach nur ekelhaft ist (also: "Wäh"), der irrt sich. Sehr eigenwillig, sehr speziell - aber sehr besonders. Das lässt sich wiederholen, auch weil es optisch einfach überzeugt.

Wie ihr also seht. Wir sind noch da. 

Seid ihr es auch noch?


146 to go.
A.