Freitag, 28. Februar 2014

Tag 58 - Die kritischsten Gäste

Ein Menü wie das gestrige verführt dazu, Gäste einzuladen. 
Hohe Gäste. 
Kalbsfilet im Kräuterteig mit Champagnersauce.

Man kann es sich in Schnörkelschrift goldig auf der Speisekarte einer edlen Veranstaltung in einer alten Villa vorstellen. Man möchte sich bei der Zubereitung eine weisse Mütze aufsetzen, nur noch mit "maître" angesprochen werden und am liebsten einen Küchenjungen haben, dem man dann "Ahhh, wo bleiben nur die Krääääuteeer??" und "Das nennst du feiiin ge'aaackt, das ist une catastrophe!" zurufen kann (diese Sätze müsst ihr euch natürlich mit einem französischen Akzent vorstellen).

Wen könnte man zu diesem Gericht Treffenderen einladen als unsere Nachbarn und treuste Blog-Leser?

Nun, die Zubereitung des Rezepts hat auch ohne Küchenjunge und falsches Französisch sehr gut geklappt. Der Teig liess sich unkompliziert herstellen und sah mit den frischen Kräutern wirklich sehr einladend aus. Als das Filet dann darin eingewickelt und mit Eigelb bestrichen war, meinte A. nur: "Na, das ist ein Kalbsfilet, da kann ja jetzt wohl nichts mehr schiefgehen."




Und so war es auch. Das Menü kam bei unseren Gästen ganz hervorragend an. Es wurde geschlemmt, gelobt und genossen. Und wieder einmal mussten wir feststellen, dass wir selbst unsere kritischsten Gäste sind. Denn obwohl auch wir vom Rezept begeistert sind, war A. die Sauce etwas zu sauer und mir das Fleisch ein bisschen zu wenig zart. Wer ein wahrer Meister werden will, muss eben ganz genau hinschauen. 

Et voilà.
307 to go.
N.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Tag 56 - Küchenmoral



Jetzt sind es schon beinahe zwei ganze Monate, seit wir unser Projekt begonnen haben und die Routine stellt sich langsam aber sich ein. Es ist gar nicht so schwer, jeden Tag etwas anderes zu kochen, oder eben zwei Rezepte, damit man auswärts oder bei Gästen essen kann. Es macht Spass und ist aufregend und wenn es manchmal auch etwas anstrengend ist, wir bereuen es nicht. 
So auch gestern Abend, als wir uns - zwar mit Appetit und Energie für einfache Pasta - das Rezept Flunderröllchen mit Speck und Peperoni vornahmen. Statt Flunder kauften wir einen anderen Fisch, da es ersteren nicht frisch zu kaufen gab und uns letzterer vom Metzger als ähnlich angepriesen wurde. Da wir beide keine sonderlichen Fischfans sind (ausser in Sushi) und wir auch keine Ode auf Peperonis schreiben würden, schien das Rezept unter einem schlechten Stern zu stehen. Aber so schön ist unser Projekt: Es kam alles ganz anders! Es schmeckte uns! Trotz Fisch, trotz Peperoni und trotz Senfsauce. Es schmeckte sogar so gut, dass wir bereuten, nur zwei Filets gekauft zu haben. So ist das mit unserem Projekt: Wir kochen, was auf dem Plan steht und kochen, was wir sonst nie kochen würden. Und räumen nicht zuletzt Vorurteile aus dem Weg, die wir schon lange in uns tragen. Darum: Ein Hoch auf unser Projekt! Denn mit Vorurteilen aufzuräumen, sollte auf jedem Gebiet etwas Anstrebenswertes sein (und ist nicht immer so einfach, wie beim Essen) :)  

308 to go. A. 

Montag, 24. Februar 2014

Tag 55 - Sichere Werte und süsse Differenzen

Es gibt Dinge im Leben, auf die man sich verlassen kann. Die Steuern. Gleichungen. (Aber das habe ich ja bereits erwähnt). Die Jahreszeiten. (So würde man zumindest meinen). Oder gefüllte panierte Pouletbrüstchen auf Spinat.

Man hört es doch schon. Man sieht es auf den ersten Blick! Bei diesem Rezept kann einfach nichts schiefgehen. Eine Masse aus Parmesan, Philadelphia, getrockneten Tomaten und Kräutern wird in ein Pouletbrüstchen gefüllt, dieses wird paniert, gebraten und auf frisch zubereitetem Spinat serviert. Einfach herrlich! Ein Rezept, einfach und doch raffiniert, das hält, was es verspricht. 



Nun - auf das zweite Rezept trifft leider genau das Gegenteil zu. Man hört es doch schon. Man sieht es auf den ersten Blick: Calvadosäpfel mit Beerenrahm. 
Um es vorwegzunehmen - der Beerenrahm schmeckt absolut spitze, ist einfach zuzubereiten und macht Lust auf mehr. Die Äpfel hingegen… ich weiss schon bei der Zubereitung, dass dieses Rezept nicht auf meiner Hitliste landen wird. Wer kommt denn schon auf die Idee (Entschuldigung, Annemarie) einen Apfel auszuhöhlen, ihn mit Marzipan und in Alkohol eingelegten Rosinen zu füllen um ihn dann noch in den Ofen zu schieben, wenn er ein einfaches Schoggimousse, eine Schoggicrème, ein Schoggiglacé, einen Schoggikuchen (ihr habt gemerkt worauf ich hinaus will?) zubereiten kann? Wieso sollte ich den Wunsch verspüren, einen halbpatzig mit Kalorien vollgestopften Apfel zu verspeisen, wenn ich ohne Aufwand und mit viel grösserer Befriedigung in ein Torino-Schoggistängeli beissen kann?



Nun, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, und was den Nachtisch angeht, so bin ich mit Annemarie wohl eifach nicht auf der gleichen Wellenlänge. Die gute Nachricht ist aber, dass sie noch gut 300 Tage Zeit hat, mich eines Besseren zu belehren.

Challenge accepted?
309 to go.
N.

Sonntag, 23. Februar 2014

Tag 54 - Saucisson-Pasteten-Experiment


Wenn ich das Wort Saucisson höre, denke ich ganz automatisch an die Bernerplatte meiner Grossmutter. Dazu gibt es immer eine Gerstensuppe zur Vorspeise und danach zum Hauptgang grüne Bohnen und eine Fleischplatte mit Schinkli, Würsten, Siedfleisch und Saucissons eben. Aber in ungekochtem Zustand habe ich diese Wurst noch nie gesehen und dass sie aus Waadt kommt, wusste ich auch nicht. Jetzt weiss ich beides. Und ich weiss auch, dass sich Saucissons kaum schälen lassen, auch wenn das in unserem Rezept stand. So schaben wir beide die Fleischmasse aus der Schale und sind für ein weiteres Mal sehr froh, dass Gäste das Produkt erst immer in ganz fertigem Zustand und nicht während des Kochprozesses sehen. Denn appetitlich sieht anders aus!!! Während unsere Finger voll Wurst strotzen (der Küchentisch ebenfalls) sinnieren wir, ob es wohl eine schlaue Idee war, drei Gäste zu unserer Saucissonpastete einzuladen: Wird sie auch schmecken? Müssen wir uns für das Endprodukt schämen? Denn für Gäste kochen wir wohlweislich nie etwas, das wir noch nie gekocht haben. Aber als die Pastete dann nach 50 Minuten duftend und dampfend aus dem Ofen kommt, sehen wir, dass zumindest optisch alles geklappt hat. Wie eine Blumenwiese sieht sie aus. Auch das auftischen klappt wunderbar - die Pastete lässt sich in Stücke schneiden UND ganz auf die Teller unserer Gäste legen. Ich denke, während ich auf die 10 cm übrig gebliebene Pastete schaue, dass unser Essen gut ankam. Auch wenn ich persönlich kein wahnsinniger Pastetenfan bin, hat es mir geschmeckt und das Experiment Gäste hat erneut gut geklappt. Kochen für Gäste macht Spass! Auch wenn man nicht weiss, wie es herauskommt…

311 to go. A.

Samstag, 22. Februar 2014

Tag 53 - Gelberbsen-Odyssee und Suppe

Ich sage meinen Schülern oft, dass sie das Lösen von Gleichungen geniessen sollen, statt zu jammern. Ein Problem, ein Verfahren, das eigentlich immer gleich bleibt, ein Ergebnis, das sich durch Einsetzen kontrollieren und somit zum Schluss mit absoluter Sicherheit doppelt unterstreichen lässt. Wäre doch alles im Leben so einfach. 

Mit guten Rezepten sollte es sich meiner Meinung nach genau so verhalten: Feine, frische Zutaten, eine Anleitung, die sich genau so verfolgen lässt und ein Ergebnis, das probiert und überprüft werden kann.
Nun, das heutige Rezept "Mediterrane Gelberbsen mit Würstchen" ist zweifellos ein tolles Rezept. Chili, Thymian und crème fraîche werden eingekocht zu einer feinen, leicht pikanten Masse, die Erbsen bleiben leicht mehlig und erinnern an Ferien. Die Zubereitung ist einfach und das Resultat befriedigend. Nur fehlt dem Rezept etwas Winziges. Eine kleine Warnung, die erklärt, dass es fast unmöglich ist, Gelberbsen zu kaufen. Ratlose Migrosverkäufer, auf frühere Sortimente und grössere Filialen verweisende Coop-Angestellte. Bedauernde Marinello-Mitarbeiter, leere Gestelle in der Delicatessa im Globus. Nach einer Odyssee quer durch die Lebensmittelgeschäfte der Stadt Zürich stranden wir in der Gourmet Factory von Jelmoli. Gelberbsen! Wir küssen den Boden und preisen den Herrn. Liebe Annemarie, das nächsten Mal würden wir einen kleinen Hinweis auf solche Schwierigkeiten oder wenigstens eine Ausweichmöglichkeit sehr zu schätzen wissen. Gelohnt hat sich der Aufwand aber. Das Gericht ist einfach wunderbar.




Was sich von der Sellerie-Limetten-Suppe nicht unbedingt behaupten lässt. Knollensellerie, Kartoffeln und Limetten bilden die Grundlage dieser Vorspeise, die anschliessend mit Bündnerfleisch garniert wird. Nun, wie sich A. nach dem ersten Bissen etwas frustriert ausdrückte (sie hatte dieses Rezept zubereitet, da die Suche nach den Gelberbsen so viel Zeit in Anspruch genommen hatte, dass Arbeitsteilung nötig wurde): As isch halt … eifach a Suppa.
Sehr säuerlich, geschmacklich nicht umwerfend, farblich nicht faszinierend - kein Highlight. Da tut es uns um das gute Bündnerfleisch, das nun hilflos im Gemüsebrei schwimmt, fast etwas Leid. Obwohl alle Schritte richtig eingehalten wurden und das Ergebnis so definitiv stimmt, bleibt es unbefriedigend. 
Seht ihr? Bei einer Gleichung wäre das nicht passiert.

312 to go.
N.

Freitag, 21. Februar 2014

Tag 52 - Besuch in Entenhausen


Den heutigen Tag möchte ich in Ehren halten, als den Tag, an dem ich zum ersten Mal Ente zubereitete. 
Natürlich habe ich beim Asiaten schon einige Male wagemutig Ente bestellt und gemerkt, dass die Bewohner des Zürichsees gar nicht so schlecht schmecken. Nur die fettige Hautschicht (die im See wohl die Kälte und Nässe des Wassers abhaltet) finde ich abstossend. Ich weiss nicht, ob gerade diese Schicht die Delikatesse der Ente ist, oder ob man sie, wie ich es immer tu, abschneidet (und danach unter dem Salatbouquet oder der ungeniess- aber essbaren Orchidee versteckt).
Bei unserer Entenbrust hängt natürlich auch eine dicke Haut- oder Fettschicht dran. Während wir den Verwandten von Donald, Daisy oder Dagobert Duck mit Pfeffer, Chili und Thymian einreiben, brutzelt unser Rotkohl in einem Sud aus Wein, Essig und karamellisiertem Zucker. Die Entenbrust wird dann ebenfalls angebraten und so essen wir heute Abend ein richtig feierliches Menü: Die allererste  selbstgekochte Entenbrust unseres Lebens. So stossen wir an auf das Ende der Woche und auf unseren Kurztrip nach Entenhausen. Die Ente selbst ist, auch noch so enthusiastisch gesehen, leider etwas zäh. Auch hier keine Ahnung, ob das immer so ist, oder ob wir es schlicht weg beim nächsten Mal besser machen können. Daraufhin sagt N., dass Ente bestimmt immer so schmecke, wenn Ente nämlich besser wäre, dann würden wir statt Poulet immer Ente essen und Mc Donalds würde Ducknuggets und McDuck verkaufen… So tappen wir beide im Dunkeln, was Ente angeht…aber ein denkwürdiges Ereignis war es trotzdem.

314 to go. A.


Donnerstag, 20. Februar 2014

Tag 51 - Die Sauce aller Saucen

Auf meinen 24. Geburtstag habe ich von meiner Mutter "Fleisch sanft garen bei Niedertemperatur" geschenkt bekommen. (Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, wie die Verfasserin dieses Werkes heisst?) Mama hat kleine Küchentipps hineingeschrieben und ihre Lieblingsrezepte markiert, und natürlich haben wir uns sofort ans Werk gemacht und ihre Favoriten nachgekocht. Sehr weit sind wir aber damit nicht gekommen. Und der Grund dafür steht auf Seite 79: Kalbsnuss an Portweinrahm mit getrockneten Tomaten.

Wer einmal diese Sauce gekostet hat, will nie, niemals mehr etwas von einer anderen Sauce wissen.(Meine Mutter schreibt daneben: DER HIT! Passt zu jedem Fleisch! - Und Recht hat sie.) 
In dieser Sauce möchte man baden. Diese Sauce möchte man zum Bundesratspräsidenten wählen. Diese Sauce möchte man heiraten, man möchte mit ihr Kinder bekommen und alt werden. Kurz: Diese Sauce kann Leben verändern.

Als nun heute Portwein-Makkaroni mit Gemüse auf dem Programm standen und wir die Zutatenliste etwas genauer studierten, schlugen unsere Herzen höher: Dörrtomaten. Portwein. Rahm. Bis jetzt hatte die Kombination dieser Zutaten in Annemaries Rezepten zu jenseitsähnlichen Erfahrungen geführt - wir waren nicht mehr zu bremsen. Wir schnippelten Karotten, Peterli, Rohschinken, Zwiebeln Steinpilze und Dörrtomaten in kleine Würfelchen, löschten sie mit Portwein ab, stellten unsere Sauce fertigen und hüpften voll jugendlichen Leichtsinns in der Küche herum. 




Und ihr ahnt es schon. Die Königin aller Saucen war - und bleibt auch weiterhin - unantastbar. Unvergleichlich. Nicht zu übertreffen. Geschmeckt hat's trotzdem. Und auch wenn wir diese Sauce nicht heiraten würden - so als One-Night-Stand hat es durchaus Spass gemacht. 

315 to go - morgen holen wir auf.
N.